Manchmal scheint es, als hätte Frankfurt eigens für den Jazz gebaut werden müssen – denn der Oktober bringt auch 2026 wieder fünf Tage voller musikalischer Grenzgänge mit sich. Los geht’s diesmal etwas unorthodox am Dienstagabend im Foyer des hr-Sendesaals, begleitet von Saxofon-Melancholie durch Christof Lauer und dem energiegeladenen Tentett von Nicolai Thärichen. Beiläufig, doch federführend: die Verleihung des Frankfurter Jazzstipendiums, alle Jahre wieder ein Signal in die Szene.
Der Mittwoch klingt ganz anders: Andrés Coll führt mit seiner Band ein, irgendwo zwischen balearischem Sonnenuntergang und afrikanischer Polyrhythmik, übergehend in die flirrenden Erzählbögen von Louis Sclavis (über den ehrlich gesagt zu wenig gesprochen wird), bevor die hr-Bigband samt Ali Neander loslegt – und das Publikum zwischen Jazzrock-Klängen elektrisiert.
Donnerstag, neue Farben: Saxophon und Gitarre – Darius Blair und Finn Heine – komponieren diesmal sogar extra eine Suite mitsamt Vokalensemble und US-Import Sasha Berliner. Myra Melford flirtet mit Cy Twombly, während Shake Stew dem eigenen Bandjubiläum mit Naïssam Jalal und ausgelassenem Groove nachspürt. Am Freitag wird’s etwas kleinteiliger und gleichzeitig größer – Frankfurter Jazz-Locations schicken ihre Acts ins Rennen, von Sarah Chaksads Schweizer Sextett bis zum längst legendären Jazzkeller und brandneuer Dondorf Druckerei. Clubnacht pur – fast ein paralleles Festival im Festival.
Am Samstag schließlich ist alles auf Hochspannung getrimmt: Die noch junge, schon preisgekrönte Emma Rawicz gibt mit der hr-Bigband den Auftakt, gefolgt von einer generationenübergreifenden Begegnung zwischen Norma Winstone und Elliot Galvin. Den großen Abgang liefert Émile Parisien mit seinem Quartett „Floating“ – eine Mischung aus ekstatischer Spielfreude und Präzision, wie man es sich für ein Finale nur wünschen kann. Restkarten? Nur noch mit Glück! Weitere Details und Programmänderungen gibt’s auf hr2.de.
Karten und Infos: www.hr-ticketcenter.de oder telefonisch unter 069 155-2000. Die besonderen Tickets für die Clubnacht sind direkt bei den jeweiligen Clubs zu haben, die im Laufe des Jahres bekanntgegeben werden. Pressefotos und Medienkontakt sind ebenfalls auf den entsprechenden Seiten bereitgestellt. Hinter all dem steckt eine bunt gemischte Kooperation von hr2-kultur, der Stadt Frankfurt, diversen Locations und der lokalen Jazzszene.
Das Jazzfestival in Frankfurt 2026 verspricht ein Feuerwerk verschiedenster Stilrichtungen: Von Jazzrock über World Music bis hin zu intimen Club-Performances. Geprägt wird das Festival durch große Namen wie Émile Parisien, Shake Stew oder Louis Sclavis, aber auch durch mutige Newcomer und interdisziplinäre Projekte. Der Kartenandrang ist traditionell hoch, was wohl nicht zuletzt an der Mischung aus lokalem Enthusiasmus und internationalem Glanz liegt. In der deutschen Jazzszene wurde jüngst verstärkt darüber diskutiert, wie solche Festivals zur Nachwuchsförderung beitragen und ob sie künftig noch inklusiver gestaltet werden sollten. Außerdem entwickeln zahlreiche Jazz-Initiativen aktuell neue Formate, die Publikum und Musiker:innen noch enger zusammenbringen – etwa durch offene Proben oder Workshops an den Spielorten. Die diesjährige Ausgabe des Festivals scheint diesen Trend aufzugreifen, etwa mit der expliziten Förderung junger Talente (Frankfurter Jazzstipendium) und der ausgeweiteten Clubnacht, die verschiedene urbane Jazz-Hotspots einbindet. Abseits der großen Namen sorgt vor allem die Vielfalt an Konzertformaten und Veranstaltungsorten für wachsenden Zulauf aus ganz Deutschland.