Gerade in Berlin taucht eine jüngere, wildere Art von Clan-Kriminellen auf, so beschreibt es Holger Münch im Gespräch mit der 'Welt am Sonntag'. Münch spricht ausdrücklich von der sogenannten 'Generation-Z-Mafia', gemeint sind damit vor allem von türkischstämmigen Gruppen dominierte Netzwerke. Bemerkenswert: Heute geben sich die Mitglieder viel weniger zurückhaltend als ihre Vorgänger – sozialen Medien und Selbstdarstellung zum Trotz. Abschreckung durch Image, Einschüchterung auf Knopfdruck, ein digitaler Fingerzeig, der Rivalen ausbremst und unter Druck setzt. Es ist ein völlig anderer Stil als das klassische, diskrete „Schweigen der Ehrenmänner“ älterer Jahre – und fast scheint es manchmal, als ginge es diesen neuen Gruppen genauso sehr ums Angeben wie um Geld.
Ein weiteres Novum: Die Arbeitsteilung – Stichwort 'Crime as a Service'. Die Delikte werden zunehmend von Spezialisten erledigt, die für Teilaufgaben wie Logistik, Geldwäsche oder Gewaltanwendung gebucht werden. Besonders erschreckend: Man rekrutiert junge Leute für schwere Vergehen, manchmal aus dem Ausland. Häufig werden ihnen die Konsequenzen ihrer Taten überhaupt nicht bewusst – perfide, dass sie dabei oft schon für wenig Geld agieren. Das BKA verzeichnete bereits konkrete Fälle, bei denen etwa niederländische Jugendliche für Operationen nach Deutschland „eingeflogen“ wurden.
Münch warnt außerdem vor der wachsenden Anzahl echter Schusswaffen in kriminellen Kreisen, oft aus der Türkei importiert und nach Deutschland über den Landweg geschmuggelt; Umbauten von Schreckschusswaffen sind derzeit ein brennendes Thema in Ermittlerkreisen.
Nicht zu vergessen: Die Aufmerksamkeit für Spionage wächst rapide – insbesondere nach dem russischen Überfall auf die Ukraine. Allein die Zahl der Spionagefälle, die das BKA verfolgt, ist in drei Jahren von 20 auf über 470 hochgeschnellt. Auch deshalb, weil genauer hingeschaut wird und Verdachtsmomente schärfer geprüft werden.
Das Bundeskriminalamt warnt vor neuen Strukturen und Vorgehensweisen in der organisierten Kriminalität: Junge, aggressive Netzwerke mit hohem Selbstdarstellungsdrang prägen das Bild, insbesondere in Berlin. „Crime as a Service“ – die Auslagerung krimineller Tätigkeiten an spezialisierte „Subunternehmer“ – boomt, und junge Menschen werden vermehrt in gefährliche kriminelle Machenschaften verwickelt, ohne die Tragweite meist zu begreifen. Parallel beobachtet das BKA einen massiven Anstieg von importierten Schusswaffen und Spionageaktivitäten in Deutschland, welche die Sicherheitslage nachhaltig verschärfen.
Aus weiteren Quellen: Laut aktuellen Berichten der Süddeutschen Zeitung und Die Zeit gehen Experten davon aus, dass sich die Clan-Kriminalität immer weiter digitalisiert und die Rekrutierung über TikTok oder Instagram mittlerweile Alltag geworden ist. Die FAZ berichtet, dass die Behörden zunehmend auf neue Präventionsprogramme für Jugendliche setzen, um den Einstieg ins Milieu zu verhindern. Zeitgleich wächst der politische Druck auf die Landesregierungen, gegen Waffenschmuggel aus Südosteuropa und die Explosion der Spionagefälle mit härteren Maßnahmen zu reagieren.