Serdar Somuncu: Zwischen Fußballbegeisterung und Antinationalismus

Kabarettist und Fußballfan Serdar Somuncu gesteht, dass ihm das frühe WM-Aus von Deutschland und der Türkei gerade recht war – mit dem Turnier in Nordamerika kann er wenig anfangen.

vor 50 Minuten | 1 mal gelesen

Ja, das hat schon fast etwas Befreiendes: Serdar Somuncu, dessen Begeisterung für Borussia Mönchengladbach berüchtigt ist, zeigt sich unbeeindruckt vom sportlichen Scheitern der deutschen und türkischen Nationalmannschaften. 'Ich bin überzeugter Antinationalist', betont er gegenüber der 'Neuß-Grevensbroicher Zeitung'. Für ihn ist die nationale Choreografie aus Fahnen und Hymnen nichts als leeres Brimborium – manchmal geradezu grotesk. Nicht zuletzt, weil die gesellschaftliche Realität oft eine ganz andere ist: Somuncu sieht darin einen Widerspruch, wie in Frankreich etwa Spieler aus ehemaligen Kolonien auf dem Platz bejubelt, im Alltag aber an den Rand gedrängt werden. Im Stadion gibt es plötzlich ein künstliches Miteinander, das außerhalb auf brüchigem Grund steht. Wobei, Hand aufs Herz: Bei einer WM bleibt für ihn weder Euphorie noch Melancholie. Auch, weil die Diskussionen rund um Nationalspieler mit Migrationshintergrund so schnell in alten Mustern verlaufen, wie beim medialen Wirbel nach dem Fehlschuss von Jonathan Tah. 'Die Debatte hat sich abgekühlt, aber die Oberfläche trügt', mahnt er. Seine persönliche Identität? Als Kind aus der Türkei nach Deutschland gekommen, weiß Somuncu längst, was es heißt, zwischen den Stühlen zu stehen – im Fußball und darüber hinaus.

Serdar Somuncu betrachtet die Euphorie bei Fußball-Weltmeisterschaften äußerst kritisch und sieht in der plötzlichen Begeisterung für Nationalmannschaften mit diversen Spielern ein Stück gesellschaftlicher Verlogenheit. Er beobachtet, dass rassistische Tendenzen und nationale Identitätsdebatten immer wieder aufbrechen, gerade wenn Spieler mit Migrationshintergrund im Fokus stehen; aktuell zeigt sich das in Deutschland etwa beim Umgang mit dem verschossenen Elfmeter von Jonathan Tah. Gleichzeitig spiegeln sich in Somuncus Aussagen die weiter bestehenden gesellschaftlichen Spannungen und die oftmals nur kurzzeitig aufgeschobenen Probleme von Diskriminierung und Ausgrenzung wider. Aktualisiert anhand neuerer Quellen: In der Presse der letzten Tage wurde breit über die Rolle von Migration, Integration und Nationalgefühl im Fußball diskutiert. Besonders vor dem Hintergrund der weiterlaufenden EM-Qualifikation und dem Blick auf rechtspopulistische Strömungen in Europa tauchen Fragen nach Zugehörigkeit und Identität vermehrt auf. Auch der Umgang mit rassistischen Äußerungen bei internationalen Sportereignissen bleibt aktuell ein heikles Thema.

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