Türmer wirft ernste Zweifel an den aktuellen Überlegungen für ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 14 auf. In einem Interview mit den Sendern RTL und ntv betonte er, dass bislang jegliche konkrete Umsetzungsstrategie fehle; ein solches Vorhaben sei schlicht „realitätsfern“. Vielmehr, so Türmer, müsse man all die Tech-Riesen wie Zuckerberg oder Musk stärker in die Pflicht nehmen: „Die eigentlichen Problemherde sitzen anderswo – bei den Milliardären, die von gefährlichen und kriminellen Inhalten auf ihren Plattformen profitieren.“
Er fordert ein energisches Durchgreifen gegen Missstände wie Kinderpornografie oder Betrug im Netz und sieht die Europäische Union als zentralen Akteur: Entweder müssen Abschreckungs- und Strafmaßnahmen geschaffen werden, oder im Extremfall könnten die Netzwerke vom Netz genommen werden. Das würde auch die allmächtige Börsensicht der Konzerne treffen – eine Vorstellung, die Türmer nicht unattraktiv findet: „Dann können wir beobachten, wie die Meta-Aktien abstürzen.“
Das Beispiel Australien beweise zudem, wie wenig erfolgreich pauschale Verbote seien: Dort habe man zwar ein Verbot eingeführt, aber in Wirklichkeit habe das zu einem Boom bei VPN-Diensten geführt – und jedes Kind könne sich mittlerweile binnen Minuten in ein anderes Land „beamen“. Aus Lisa aus Ulm werde dann in kürzester Zeit trickreich Lisa aus Utah. Türmer betont jedoch auch, dass Kinder- und Jugendschutz im Internet dringend verbessert werden müsse, räumt aber ein, dass reine Verbote an der Lebensrealität vorbei gingen: „Es ist erschreckend, was da im Netz teilweise abgeht.“
Der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer widerspricht den Vorschlägen für Altersbeschränkungen auf Social-Media-Plattformen heftig und hält ein allgemeines Verbot für ineffektiv; die technischen Möglichkeiten, solche Beschränkungen zu umgehen – etwa mittels VPN – würden den Jugendschutz nicht wirklich gewährleisten. Viel bedeutender sei es für Türmer, die Verantwortlichen bei den großen Tech-Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen und ihnen klare, strenge Spielregeln aufzuerlegen. Die Debatte ist Teil eines größeren Diskurses in Deutschland und Europa über digitale Verantwortung und den Schutz Minderjähriger im Netz.
Ergänzend lässt sich feststellen, dass europäische Regulierungsinitiativen (beispielsweise der Digital Services Act) darauf abzielen, die Plattformen zu mehr Prävention und Transparenz bezüglich illegaler Inhalte zu verpflichten. Gesellschaftlich wird auch diskutiert, wie Medienkompetenz und digitale Bildung gestärkt werden können, um Kinder und Jugendliche zu schützen. Das Thema bleibt aktuell, vor allem angesichts wiederholter Vorfälle von Cyberkriminalität und Online-Belästigung.