Kallas mahnt: US-Truppenabzug aus Europa könnte Sicherheit und Einfluss gefährden

Kaja Kallas, EU-Außenbeauftragte, sendet deutliche Worte Richtung Washington – und weist auf Risiken für Europas Sicherheit und den Einfluss der USA hin.

heute 06:46 Uhr | 2 mal gelesen

Kallas ließ im Gespräch mit dem 'Spiegel' keinen Zweifel daran: Würde Amerika seine Soldaten aus Europa abziehen, müssten die Europäer noch mehr in ihre eigene Verteidigung stecken, ob sie wollen oder nicht. Für die USA selbst drehe sich dann das Machtkarussell – weniger Abhängigkeit Europas hieße auch weniger Einflussmöglichkeit für Washington. 'Das ist die andere Seite der Medaille,' so ihr nüchternes Fazit. Sie sieht außerdem das Vertrauenskapital der USA auf internationaler Bühne erodieren. Staaten, die früher beinahe blind auf den amerikanischen Schutzschirm gebaut haben, fragen sich laut Kallas zunehmend, wie verlässlich die USA heute noch sind – und ob Washington im Ernstfall tatsächlich zur Verteidigung eilt. Zum transatlantischen Verhältnis? Da schlägt sie einen eher melancholischen Ton an: Die Spannungen seien unübersehbar, die Beziehung stehe momentan wirklich auf der Probe. Auch wenn das Gespräch mit US-Außenminister Marco Rubio funktioniere, merkt sie an, dass da viel Luft nach oben bleibt. Ganz ehrlich: Euphorie klingt anders.

Wenn die USA europäische Truppen abziehen, wird Europa laut Kaja Kallas gezwungen sein, deutlich mehr in die eigene Verteidigungsfähigkeit zu stecken. Dieser Schritt könnte nicht nur das transatlantische Verhältnis weiter belasten, sondern auch den globalen Einfluss der USA schwächen, weil Vertrauen in Amerikas Bündnistreue schwindet. In den letzten Wochen ist die Debatte um eine stärkere militärische Eigenständigkeit der EU durch neue Spannungen im Verhältnis zu Amerika wieder aufgeflammt; auch aktuelle NATO-Treffen zeigen, dass die europäischen Staaten vorsichtig, aber entschlossener als früher, eine eigene Verteidigungstradition aufbauen wollen, während in Washington die innenpolitischen Prioritäten teils ganz woanders liegen.

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