Das Jugendrotkreuz hat bereits zahlreiche Erfahrungen gesammelt, weil es an vielen Schulen aktiv ist – meist mit Angeboten, die sowohl modern als auch kindgerecht aufbereitet sind. Gröhe findet, dass man diese Aktivitäten stärker mit Selbstschutz- und Zivilschutzthemen verzahnen sollte, damit der Schutzgedanke in alle Winkel der Gesellschaft durchsickert – zumal Schüler das Gelernte meist nach Hause tragen und Familien davon profitieren könnten. Aber ganz ehrlich: Ohne die vielen freiwilligen Helfer der verschiedenen Hilfsorganisationen sei das kaum machbar. Deshalb, so betont Gröhe, sollte die enge Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen im Zentrum eines neuen Bevölkerungsschutz-Pakts stehen.
Außerdem forderte er zusätzliche ehrenamtliche Pflege-Unterstützer, um im Krisenfall – etwa wenn ein Krankenhaus plötzlich mit Massen an Verletzten umgehen muss – den Betrieb irgendwie am Laufen zu halten. Im von Dobrindt vorgelegten "Pakt für den Bevölkerungsschutz" ist genau das vorgesehen: Der Bund will Zivilschutz möglichst früh ins Klassenzimmer holen und das Wissen über Kinder in die Breite tragen, um so langfristig Engagement zu fördern.
Was Gröhe aber nach wie vor Sorgen macht: Überall gibt es Lücken und Nachholbedarf – egal ob bei Ausrüstung oder Schulungen, das DRK sieht große Defizite. Richtig vorbereitet auf Krisen gehe eben nur mit Geduld, Planung, und langfristigem Ausbau. Er nennt als Beispiel die mobilen Betreuungsmodule, eine Art kleine, mobile Stadt für Notlagen wie Hochwasser. Geplant waren zehn von diesen 'Dörfern auf Rädern', aber aktuell gibt es eigentlich nur eineinhalb – und weder deren Einsatz noch das Training dafür sind zuverlässig gesichert.
Das Deutsche Rote Kreuz drängt darauf, Selbstschutz und Zivilschutz fester in den Schulunterricht zu integrieren, um Kinder schon früh für Notfälle und Katastrophen zu sensibilisieren. Über die Schulen soll dieses Wissen auch in Familien Einzug halten und langfristig mehr Menschen für ehrenamtliches Engagement gewinnen. Hintergrund sind teils gravierende Mängel im Bevölkerungsschutz: Die Ausstattung mit mobilen Versorgungsmöglichkeiten oder auch mit geschultem Personal ist vielerorts lückenhaft.
Recherchen zeigen, dass sich mehrere Hilfsorganisationen und politische Akteure aktuell verstärkt für einen Ausbau des Zivilschutzes engagieren. Angesichts weltweiter Krisen wie Naturkatastrophen oder geopolitischer Spannungen rücken solche Vorsorgemaßnahmen in den Fokus. In mehreren Bundesländern laufen bereits Pilotprojekte, bei denen Schulen und Hilfsdienste Erste-Hilfe- und Zivilschutztrainings miteinander verknüpfen.