Kassen drängen auf Steuererhöhungen für Zucker, Alkohol und Tabak

Oliver Blatt, Chef des GKV-Spitzenverbands, fordert angesichts der aktuellen Diskussionen um Reformen im Gesundheitswesen eine Zuckersteuer und höhere Abgaben auf Alkohol und Tabak.

heute 00:04 Uhr | 2 mal gelesen

Wenn man ehrlich ist: Viele sogenannte Volkskrankheiten ließen sich vermeiden – zumindest teilweise. Zumindest, wenn die Gesellschaft ein paar mutige Schritte wagt. Oliver Blatt, Vorstand des GKV-Spitzenverbands, sagte der 'Rheinischen Post', es brauche echte Bewegungen, wie etwa eine Zuckersteuer sowie spürbare Steueranhebungen auf Tabak und Alkohol. Klassischer Fall von 'Vorsorge statt Nachsorge', wie Blatt meint – denn: Die Folgekosten, verursacht durch Alkoholkonsum und Rauchen, seien um ein Vielfaches belastender als leicht erhöhte Preise fürs Feierabendbier oder die Zigarette danach. Die Expertenkommission, die unlängst Vorschläge zum Umgang mit den Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherungen gemacht hat, sieht das ähnlich: Weniger Genussmittel, weniger Kosten – zumindest in der Theorie. Außerdem sprach sich Blatt für eine verpflichtende Zweitmeinung vor häufigen Operationen wie Eingriffen an Knie oder Hüfte aus. Laut ihm, sagt die Statistik alles: Holen Patient:innen eine zweite Einschätzung ein, verzichten rund 75 Prozent darauf, sich unters Messer zu legen – und wählen etwa Physiotherapie. Die Debatte bleibt allerdings kontrovers, vor allem beim Thema kostenfreie Mitversicherung für nicht berufstätige Ehepartner*innen. Hier plädiert Blatt für Besonnenheit und warnt vor vorschnellen Entscheidungen. Er glaubt: Sparpotenziale gäbe es anderswo schneller und einfacher.

Blatt möchte die Prävention stärken und Krankheiten wie Diabetes typischerweise mit einer Zuckersteuer bekämpfen. Die Idee einer verpflichtenden Zweitmeinung bei Operationen könnte laut Statistik dafür sorgen, dass viele teure, möglicherweise unnötige Eingriffe verhindert werden – was nicht nur Patient:innen schont, sondern auch die Gesundheitskassen entlastet. Bei der Debatte zur Abschaffung der gratis Mitversicherung zeigt er sich abwartend und sieht größere Einsparmöglichkeiten an anderer Stelle. Zuletzt wurde bekannt, dass Bundesgesundheitsminister Lauterbach aktuell ebenfalls eine Reformwelle anstößt, um das Defizit der Versicherung zu begrenzen. In mehreren Medien wird betont, dass ähnliche Steuer-Initiativen in Nachbarländern bereits Erfolge in der Gesundheitsprävention zeigen – England und Frankreich sind hier Vorreiter. Dennoch gibt es auch Stimmen, die Steuererhöhungen als unsozial empfinden und befürchten, dass sie besonders Menschen mit geringem Einkommen härter treffen.

Schlagwort aus diesem Artikel