Manchmal wirkt Politik wie ein Schachspiel, bei dem die Figuren grotesk groß und aus Fleisch und Blut sind. Peter Balazs hat kürzlich wieder Farbe bekannt: Für ihn ist Viktor Orban das, was man metaphorisch kaum drastischer beschreiben könnte – er bezeichnet ihn als "Putins wertvollsten Agenten im Westen". Balazs meint sogar, Orban spiele diese Rolle im Interesse Moskaus, Pekings und Trumps förmlich mit Bravour. Der Kreml, so sein Vorwurf, investiere viel, um Orban an der Macht zu halten, und das aus gutem Grund.
In der Bevölkerung – das lässt Balazs durchblicken – schlummert eine wachsende Ungeduld. Schon zuletzt, sei es 2018 oder 2022, hätten viele auf die Wende gehofft. Jetzt, mit Peter Magyar, taucht ein Name auf, der für etliche fast schon so etwas wie einen "Messias" darstellt. Warten die Menschen tatsächlich auf einen Erlöser, oder ist das nur das übliche Wunschdenken, wenn alles festgefahren scheint? Balazs bleibt vorsichtig optimistisch, sieht aber die Probleme: Selbst wenn die von Magyar geführte Tisza-Partei siegt, wird der Systemwechsel zäh. Zu viele Schaltstellen sind von Orbans loyalen Leuten besetzt – das ist kein Schnellrestaurant, in dem man die Besatzung mit einem Handzeichen austauscht.
Balazs hält eine vorsichtige Annäherung an die europäische Normalität für möglich, aber nicht für leicht. Der Übergang könnte schwierig werden, vergleicht er, wenn auch mit einem Zwinkern, mit dem Tauziehen in Polen nach der PiS-Zeit. Nur, so sein Einwand: In Budapest hat Orban tiefer eingegraben.
Peter Balazs sieht in Viktor Orban einen strategischen Hauptakteur russischer Interessen innerhalb EU und NATO und glaubt, der Kreml habe eine hohe Motivation, Orban in seiner Machtposition zu halten. Die gesellschaftliche Unzufriedenheit in Ungarn habe einen Höhepunkt erreicht, und in Peter Magyar sehen viele Bürger erstmals seit langem wieder eine glaubwürdige Kraft gegen das System Orban. Trotz dieser Hoffnung erwartet Balazs schwierige Übergangszeiten, falls die Opposition die Regierung übernimmt; insbesondere weil Orbans Einfluss in Institutionen weiterhin enorm stark bleibt.
Nach aktuellem Kenntnisstand setzen sowohl Orbans Partei Fidesz als auch seine Gegner derzeit alles auf Mobilisierung: Die Demonstrationen für mehr Rechtsstaatlichkeit und die harsche Debatte mit Brüssel über Demokratie und Korruptionsbekämpfung in Ungarn dominieren die Schlagzeilen. Ein Blick auf internationale Analysen der letzten Tage zeigt zudem, dass die EU stark in Erwartungshaltung ist – mögliche Fördergelder für Ungarn stehen im Raum, werden jedoch an klare Bedingungen geknüpft (wie eine funktionierende Justiz und Medienfreiheit). Gleichzeitig bringen prominente ungarische Intellektuelle und Künstler ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass ein möglicher politischer Wandel auch die gesellschaftliche Spaltung überbrücken könnte.