Nina Warken fordert: Gesundheitskosten für Bürgergeld-Beziehende aus Steuern finanzieren
Nina Warken (CDU), die Bundesgesundheitsministerin, schlägt einen Paradigmenwechsel vor: Die Ausgaben für die medizinische Versorgung von Bürgergeldempfänger:innen sollen künftig nicht mehr von den Beitragszahlern der gesetzlichen Krankenkassen getragen werden, sondern direkt aus Steuermitteln kommen. "Wer vom Staat Leistungen garantiert bekommt, sollte diese nicht auf dem Rücken all derjenigen finanzieren, die selbst einzahlen", erklärte Warken gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
heute 17:26 Uhr | 7 mal gelesen
Warken stellt klar: Es geht ihr um Gerechtigkeit. Viele in Deutschland registrierten sehr genau, wenn das Gleichgewicht zwischen Nehmen und Geben ins Wanken gerät – zu spüren auf Stammtischgesprächen ebenso wie in hitzigen Online-Debatten. Bürgergeld polarisiert, das ist mittlerweile offensichtlich. Vor allem rechte Parteien griffen dieses Thema regelmäßig auf, um die Stimmung im Land zu beeinflussen. "Wir in der Regierungsarbeit müssen aufpassen, dass der Diskurs nicht in Schieflage gerät", bekräftigt die CDU-Politikerin.
Das Vorschlagsbündel kam jedoch nicht aus dem Ministerium, sondern von einer eigens eingesetzten Expertenkommission, die unlängst ihre Ideen zur umfassenden Reform des Gesundheitssystems präsentiert hat. Allerdings, so ehrlich muss man sein, würde ein solcher Systemwechsel den ohnehin angespannten Bundeshaushalt um gut zwölf Milliarden Euro im Jahr zusätzlich belasten – ein Brocken, den Finanzminister Lars Klingbeil jetzt erst einmal verdauen muss. Warken sieht darin dennoch eine Investition: "Wenn Menschen sich benachteiligt fühlen und die Politik es nicht schafft, klare Reformen umzusetzen, dann bröckelt das Vertrauen in Staat und Demokratie. Genau das gilt es zu verhindern – das ist der Auftrag dieser Legislatur."
Nina Warken plädiert dafür, die Finanzierung der Gesundheitskosten für Bürgergeldbeziehende zu ändern und diese künftig steuerbasiert zu finanzieren, um mehr Gerechtigkeit zu schaffen. Hintergrund ist, dass momentan rund sechs Millionen Bürgergeldempfänger:innen über die gesetzlichen Krankenkassen abgesichert werden, wofür der Staat einen pauschalen Beitrag zahlt – in der Regel niedriger als die durchschnittlichen Ausgaben für diese Gruppe. Die Differenz zahlen die Solidargemeinschaft der Beitragszahler, was zunehmend als ungerecht empfunden wird. Dieses Thema spaltet derzeit besonders die politische Debatte, zumal rechte Populisten die vermeintliche "Ungleichbehandlung" stark befeuern. Im Kontext der aktuellen Haushaltslage, verschärft durch Inflation und sinkende Steuereinnahmen, sorgt der Vorschlag für hohe Wellen, da die Umstellung hohe Kosten verursacht – Kritiker sehen die Gefahr, dass der ohnehin belastete Staatshaushalt weiter unter Druck gerät. Trotzdem sprechen sich verschiedene Politiker:innen und Sozialverbände für die Systemumstellung aus, während die Diskussion, wie tragfähig solche Änderungen auf Dauer wären, noch andauert.
In aktuellen Nachrichten steht das Thema weiterhin im Zentrum frauenpolitischer und sozialer Debatten, nicht zuletzt, weil die Finanzierung des Sozialstaates in Zeiten multipler Krisen (Krieg, Inflation, demographischer Wandel) grundlegend auf dem Prüfstand steht.