Reservisten geraten ins Abseits – Verband prangert Missstände in der Betreuung an

Patrick Sensburg, Vorsitzender des Reservistenverbands, schlägt Alarm: Zu viele wollen dienen, aber bürokratische Hürden und stockende Prozesse lassen sie draußen stehen.

04.04.26 00:03 Uhr | 38 mal gelesen

Eigentlich könnte alles so einfach sein – viele Freiwillige melden sich, aber das System hinkt gnadenlos hinterher. Schon die Sicherheitschecks ziehen sich wie Kaugummi, erzählt Sensburg im Gespräch mit dem RND. Und das zieht sich durch: Planung? Fehlanzeige. Übungen platzen von heute auf morgen, Reservisten tappen im Ungewissen. Für viele ein echter Knackpunkt, denn Verlässlichkeit ist nicht gerade ein Markenzeichen der aktuellen Abläufe. Sensburg sieht aber noch ein anderes Problem: Die geplanten 200.000 Reservisten, so meint er, sind schlicht zu wenig. 'Mindestens 800.000, damit wir im Ernstfall nicht alt aussehen', fordert er fast trotzig. Der Bericht des Wehrbeauftragten zeigt: Derzeitsind um die 60.000 tatsächlich fest eingeplant – das klafft doch ordentlich auseinander. Immerhin, es gibt Bewegung: Ein neues Gesetz weist den Weg, Regularien treten schrittweise in Kraft. Freiwillige Wehrdienstleistende landen nach ihrem Dienst automatisch in der Reserve, sofern sie nicht Berufsoldat werden. Das Ministerium gibt sich zurückhaltend optimistisch: Die Strategie ist fast fertig, man will spätestens im April mehr verraten. Und ein Gesetz zur Stärkung der Reserve? Immerhin, noch für diesen Sommer angekündigt. Ob das dann einen echten Sprung bringt? Man darf, ehrlich gesagt, skeptisch bleiben.

Die Bundeswehr steht vor erheblichen Herausforderungen bei der Reserve. Nach Recherchen kommen viele motivierte Anwärter nicht an, weil bürokratische Abläufe von der Sicherheitsüberprüfung bis zur Übungsplanung träge und wenig durchdacht wirken. Während Sensburg aufstocken und mindestens 800.000 Reservisten will, sind bislang nur rund 60.000 fest beordert, was den Bedarf an Reformen unterstreicht. Laut aktuellen Medienberichten gibt es unterschiedliche Meinungen zu Pistorius' Plänen, die Zahl der Reservisten auf 200.000 zu erhöhen; Kritiker sehen darin gerade angesichts der aktuellen Sicherheitslage in Europa ein unzureichendes Signal. Auch wird diskutiert, wie die gesellschaftliche Akzeptanz für den Reservistendienst gesteigert und flexible, digitale Verwaltungswege geschaffen werden könnten.

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