Eigentlich dachte man ja, die schlimmsten Zeiten hätten wir aus wirtschaftlicher Sicht schon irgendwie hinter uns – aber offenbar ist das eine ziemlich wackelige Annahme. Veronika Grimm, eine der bekanntesten Wirtschaftsweisen in Deutschland, wirft einen dämpfenden Blick auf die Stimmung: Ihrer Einschätzung nach sind die Aussichten alles andere als rosig. "Die Nachwirkungen dieser Eskalation, die sich rund um den Iran-Krieg abspielen, werden uns vermutlich noch deutlich länger im Magen liegen als vermutet", meinte sie im Gespräch mit der "Rheinischen Post" – und machte dabei mehr als deutlich, dass sie die allgegenwärtige Hoffnung auf schnelle Besserung für naiv hält. Sie betont, wie unterschätzt es sei, diesen Konflikt überhaupt beizulegen – immerhin müssten alle drei direkt Beteiligten zustimmen, und das scheint, ehrlich gesagt, aktuell eher wie ein Kraftakt.
Was man (zuweilen) vergisst: Durch die Straße von Hormus bewegt sich locker ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggasaufkommens und ganze 33 Prozent der Düngemitteltransporte. Klar, durch Schäden und zerstörte Förderanlagen wird sich da so schnell nichts normalisieren – Grimm rechnet sogar mit mehreren Jahren, bis sich das beruhigt. Ihre Einschätzung zu den Wachstumsprognosen klingt dementsprechend ziemlich nüchtern: "Wenn die Institute angesichts der Lage ihre Prognose auf nur noch 0,6 Prozent Wachstum für 2026 zurückschrauben, erscheinen mir selbst diese Zahlen fast zu hoffnungsvoll."
Anders gesagt: Ein richtiger Wirtschaftaufschwung könnte schlicht ausbleiben, und Deutschland verharrt vielleicht länger in einer Art Ausnahmezustand. "Dass wir wirklich in einer anhaltenden Stagnation landen, halte ich für alles andere als unwahrscheinlich", so Grimms abschließender Kommentar. Eigentlich ein ziemlich beunruhigender Gedanke, bei dem mir persönlich trotz allem Optimismus ein bisschen flau im Magen wird.
Veronika Grimm zeichnet angesichts der Öl-Krise, die vor allem durch den Konflikt im Iran verschärft wird, ein vorsichtig-pessimistisches Bild für die deutsche Wirtschaft. Ihrer Ansicht nach drohen massive und langanhaltende Auswirkungen, weil die kritische Versorgung durch die Straße von Hormus empfindlich gestört ist und Schäden an der Infrastruktur nur langsam behoben werden können. Interessant – die jüngsten Zahlen der führenden Forschungsinstitute wirken auf Grimm eher zu optimistisch, da sie mit einer Möglichkeit rechnet, dass Deutschland im Jahr 2026 bestenfalls ein minimales Wachstum oder sogar gar keinen Aufschwung erlebt.
Neue Entwicklungen zeigen, dass laut einer Analyse der Süddeutschen Zeitung steigende Energiekosten gerade Unternehmen im internationalen Vergleich ins Hintertreffen bringen und Investitionen aus Deutschland abziehen. Die Frankfurter Allgemeine berichtet ergänzend, dass sich der LNG-Markt kaum entspannt und die Abhängigkeit von Importen – teils zu höheren Preisen – die Energieversorgung belasten könnte. In mehreren Berichten (etwa bei „Spiegel Online“) war gerade in den letzten Tagen zu lesen, dass EU-weit die wirtschaftliche Unsicherheit wegen Energieknappheit wächst und Regierungen über neue Krisenmaßnahmen nachdenken.