Kerstin Claus, die als Expertin zu Gast ist, bringt es in der Sendung mit einer erfrischenden Ehrlichkeit auf den Punkt: Sexueller Missbrauch ist kein weit entferntes Schreckgespenst, sondern leider manchmal erschreckend nah – im Sportverein, in der Familie oder im weiteren Umfeld. Gerade deshalb, so Claus, braucht es offene Gespräche darüber, auch wenn das oft schwerfällt. Besonders bewegend: Ein Beitrag schildert, wie ein Schwimmtrainer ein elfjähriges Mädchen mit sexuellen Nachrichten manipulierte. Dass bereits vorbereitende Handlungen – wie etwa die Kontaktaufnahme oder das Sammeln von Missbrauchsmaterial – strafrechtlich verfolgt werden können, ist vielen nicht bewusst.
Ein zentraler Faden der Sendung: Das tiefe Schweigen, das viele Opfer umgibt. Eine ehemalige Schwimmschülerin erzählt, wie Schuldgefühle und das Bedürfnis nach Loyalität zu langem Stillschweigen führen können.
Das Magazin wagt auch den Blick in die Praxis der Polizei und besucht das Dezernat 43 in Düsseldorf. Das Team erhält jede Woche Hunderte Meldungen – ein schockierend hoher Alltag – und prüft sie auf akute Gefahr. Für Zeuginnen und Zeugen gibt es ein Hilfetelefon, das Unterstützung und Beratung bietet.
Nicht zuletzt wirft "Volle Kanne" einen Blick auf die rasante Entwicklung von Technologie: KI-generierte Missbrauchsbilder sind ein brandneues Feld, das Polizei und Prävention vor große Herausforderungen stellt. Erika Bartsch vom Erfurter "Mit Medien e.V." betont die Notwendigkeit von Präventionsarbeit in Schulen – Medienkompetenz entwickelt sich zu einem Schutzschild gegen Missbrauch im Netz.
Die Auseinandersetzung mit Kindesmissbrauch ist auch 2026 hochaktuell. Berichte des Bundeskriminalamtes zeigen einen anhaltenden Anstieg gemeldeter Fälle von sexuellem Missbrauch und Missbrauchsdarstellungen; insbesondere die Verbreitung über digitale Kanäle und durch künstliche Intelligenz verschärft das Problem. Fachleute fordern verstärkte Aufklärung in Bildungseinrichtungen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, mehr Ressourcen für Ermittlungsbehörden und eine gesellschaftliche Atmosphäre, in der es Betroffenen leichter fällt, über ihre Erfahrungen zu sprechen und Hilfe zu erhalten.
Neue präventive Ansätze, etwa durch pädagogische Projekte wie "Mit Medien e. V." oder spezielle Module für den bewussten Umgang mit digitalen Medien, werden weiterhin ausgebaut. Neben Kerstin Claus und anderen Expert:innen sind zahlreiche Selbsthilfeorganisationen und Opferschutzvereine aktiv, um das Schweigen zu brechen und Anlaufstellen bekannter zu machen. Trotz aller Fortschritte mahnen Beobachter immer wieder: Prävention bleibt eine Daueraufgabe, der Vernetzung, Mut und Offenheit abverlangt werden.