Die jüngste Verhandlungsrunde zwischen ver.di und der CineStar-Gruppe ist wie ein Film, bei dem die spannendste Szene immer wieder auf Pause gedrückt wird – uneinig, vielleicht sogar verbissen. CineStar hat ein neues Angebot auf den Tisch gelegt: Servicekräfte könnten mit 13,95 Euro pro Stunde einsteigen, plus Zuschläge obendrauf. Im Vergleich zum vorherigen Tarif ist das immerhin ein Anstieg um 7,3 Prozent. Ver.di genügt das jedoch nicht – die Gewerkschaft fordert für Berufsstarter satte 15,80 Euro pro Stunde, also fast ein Viertel mehr als zuvor. Dazu kommt: Die jährliche Sonderzahlung soll nach Willen von ver.di gleich um 76 Prozent steigen. Aus Sicht der Kinobetreiber schlicht nicht machbar. Die Branche schwächelt sowieso schon und agiert vielerorts am Rande des wirtschaftlichen Abgrunds.
CineStar-Geschäftsführer Oliver Fock malt ein düsteres Bild: Man stehe vor der riskanten Gleichung, dass zu hohe Lohnforderungen ganze Kinos gefährden könnten. Fällt ein Standort weg, bedeutet das meist das endgültige Aus – und kulturpolitisch ist das gerade im ländlichen Raum empfindlich.
Michael Strohmenger, ebenfalls an der Spitze des Unternehmens, relativiert die nackten Einstiegszahlen: Zuschläge für Nachtschichten oder Feiertagsarbeit katapultieren den tatsächlichen Durchschnittsstundenlohn ohnehin schon weit über die Mindestlohngrenze. Viele Servicekräfte sind zudem nur kurzfristig beschäftigt und bleiben dem traditionell als Niedriglohnsektor eingestuften Kinobetrieb nicht dauerhaft erhalten – etwa 70 Prozent der Belegschaft zählen dazu.
CineStar selbst ist mit 44 Kinos und unterschiedlichsten Formaten – von Multiplex bis Arthouse – ein Schwergewicht auf dem deutschen Markt und gehört dem australischen Event Hospitality & Entertainment-Konzern. Der Streit bleibt jedoch ein lokales Drama, bei dem Lohn- und Kulturpolitik so eng verzahnt sind wie Popcorn und Kinosaal.
Die Verhandlungen um einen neuen Tarifvertrag zwischen ver.di und der CineStar-Gruppe haben bislang keine Einigung gebracht; die Interessen prallen heftig aufeinander. Während ver.di mit einer kräftigen Lohnerhöhung auf fast 16 Euro pro Stunde für Berufseinsteiger und mit deutlich mehr Jahressonderzahlungen argumentiert, mahnt CineStar, das sei nicht wirtschaftlich zu stemmen – besonders in einer Kinobranche, die pandemiegeschwächt und zunehmend von Streamingdiensten bedrängt ist. Etwa 70 Prozent der Beschäftigten sind im Niedriglohnsektor auf Zeit angestellt, was die Debatte zusätzlich anheizt.
In ganz Deutschland spitzt sich die Lage für viele Kinos zu, wie auch Berichte von taz und sueddeutsche.de zeigen: Viele Filmtheater kämpfen 2024 mit stark sinkenden Besucherzahlen, explodierenden Energiepreisen und einem Publikum, das nach der Pandemie neue Gewohnheiten entwickelt hat. Die Existenz kleinerer Kinos ist besonders gefährdet, und viele müssen sich modernisieren, um mit Multiplexen, digitalen Plattformen und wachsenden Kosten mitzuhalten. Die Verhandlungsrunde bei CineStar ist deshalb auch ein Sinnbild für die Herausforderungen, vor denen die gesamte Kinokultur in Deutschland steht.