Mal ehrlich: In Sachen Biotechnologie ist Miltenyi Biotec längst kein Geheimtipp mehr. Seit der Gründung 1989 im recht bodenständigen Bergisch Gladbach ist daraus ein global agierender Biomedizin-Gigant geworden – und der Fokus auf Zell- und Gentherapien ist nur einer der Gründe. Besonders beim Einsatz von CAR-T-Zellen gegen Krebs hat sich Miltenyi einen Namen gemacht, und das mit über 19.000 Produkten! Doch Nachfrage ist Fluch und Segen zugleich. Die Kapazitäten stoßen an Grenzen, also wird in Köln jetzt richtig investiert und kernsaniert, wie Martin Meyer, Head of Clinical Production, betont. Die bisher genutzten Flächen werden einmal komplett umgekrempelt, rund 12.000 Quadratmeter sind keine Kleinigkeit – allein die Produktionsbereiche für Reagenzien beanspruchen mehr als ein Drittel davon. Interessant: Man arbeitet nicht auf der grünen Wiese, sondern nutzt einen alten Pharmakomplex. Das klingt nach Abenteuer – und nach Herausforderungen. Harald Gräfe von Drees & Sommer schildert, wie Altbestände sinnvoll genutzt werden: Die Hülle, tragende Strukturen und einige Reinraumdecken bleiben, aber vieles wird durch neueste Technik ersetzt oder ergänzt – natürlich alles streng nach den GMP-Regeln, die unter anderem superexakte Prozesse, klare Materialwege und akribische Dokumentation erfordern. Neben Bau und Technik liegt ein Fokus auf Digitalisierung: Über BIM (Building Information Modeling) erstellt man einen virtuellen Zwilling des Gebäudes, um die Abläufe zu steuern und Fehler zu vermeiden. Auffällig ist auch das dezentrale Energiekonzept. Weg von zentralen Systemen, hin zu Hochtemperatur-Wärmepumpen – überraschend effizient bis 200 Grad Celsius, was nicht nur die CO2-Bilanz verbessert, sondern auch industrielle Maßstäbe klimafreundlich macht. Meyer bringt es auf den Punkt: Wenn Biotechnologie in Deutschland eine Zukunft haben soll, müsse man mit den USA und China mithalten können. CPMB sei ein Schritt auf diesem Weg. 2026 soll das Projekt abgeschlossen sein. Und dann? Abwarten. Klar ist jedenfalls, Köln könnte zum Festpunkt in der internationalen Biotech-Landschaft werden.
Mit dem Ausbau der Produktionsstätte in Köln setzt Miltenyi Biotec ein starkes Zeichen für den Biotech-Standort Deutschland. Das Projekt setzt auf innovative Gebäudetechnik, effiziente Nutzung bestehender Bauwerke und ein anspruchsvolles GMP-konformes Produktionsumfeld. Ein zukunftsweisendes Energiekonzept unterstreicht den Anspruch, nachhaltig und wettbewerbsfähig zu produzieren – ein notwendiger Schritt, denn der weltweite Bedarf an Zell- und Gentherapien steigt rasant. Jüngst wurde bekannt, dass Miltenyi Biotec auch in andere Wachstumsfelder investiert, etwa durch Kooperationen mit europäischen Forschungseinrichtungen und die Entwicklung von KI-gestützten Diagnostiksystemen (vgl. biotechnologie.de, Stand: Juni 2024). Die Biotechnologiebranche in Deutschland ist generell im Aufwind: Nach einer aktuellen Analyse der Deutschen Welle ist 2023 die Zahl der Start-ups und Investitionen im Bereich Life Sciences und Pharmatechnologie stark gestiegen, wobei Standorte wie Köln, München und Berlin massiv profitieren (Quelle: Deutsche Welle). Die Süddeutsche Zeitung berichtet zudem, dass politisch ein stärkeres Biotechnologie-Engagement angestrebt wird: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung plant bis 2030 zusätzliche Fördermittel, um internationale Konkurrenzfähigkeit zu sichern (Quelle: Süddeutsche Zeitung).