Doris, Anfang sechzig, wird ohne Vorwarnung vom Schicksal überrollt, als sie einen Herzinfarkt erleidet. Das medizinische Team reanimiert sie gerade noch rechtzeitig, aber Sauerstoffmangel hat Spuren in ihrem Gehirn hinterlassen. Im Krankenhaus versetzen die Ärzte sie ins künstliche Koma – so eine Art medizinischer Tiefschlaf, in dem Maschinen den Rhythmus des Lebens übernehmen. Wochen später atmet sie schließlich wieder allein, doch sie bleibt zwischen den Welten: Zwar nimmt sie einzelne Eindrücke aus ihrer Umgebung wahr, so meinen die Fachleute, kann aber keinesfalls antworten oder sich mitteilen. Ihre Familie hangelt sich durch einen Alltag voller Unsicherheiten und spricht oft über die banalen Dinge des Lebens, die ihnen auf einmal kostbar erscheinen.
Steffen, 45, Sportler, kommt eines Abends heim und fühlt sofort, dass etwas nicht stimmt – stechende Schmerzen im Brustkorb. Seine Frau reagiert blitzschnell, ruft Hilfe und rettet ihm damit das Leben. Auch bei ihm wird ein Herzinfarkt festgestellt, die Klinik bringt ihn wegen schwerer Komplikationen mit Beruhigungs- und Betäubungsmitteln ins künstliche Koma. Nach etlichen bangen Wochen folgt dann das eigentlich Unfassbare: Er kämpft sich zurück ins Leben und schafft es, (fast) wieder am Alltag teilzunehmen – was vorher aussichtslos schien.
Medizinische Erfahrungen, Prognosen sowie reale Einblicke durch Angehörige machen den Kern der Reportage aus. Sie zeigen eindrücklich: Koma ist nicht nur ein Zustand, der den Körper lahmlegt. Es ist auch ein emotionaler Ausnahmezustand für alle, die daran beteiligt sind. '37°' bleibt unaufgeregt, aber dicht am Puls der Beteiligten.
Die '37°'-Doku beleuchtet eindrucksvoll, wie das Koma das Leben von Betroffenen wie auch Angehörigen komplett umkrempelt. Neben den intimen Porträts von Doris und Steffen werden medizinische Hintergründe erläutert: Auslöser wie Herzinfarkt oder Gehirnverletzungen führen häufig zu einem Koma, und je nach Tiefe und Dauer sind die Aussichten sehr unterschiedlich. Aktuelle Forschung hat inzwischen herausgefunden, dass einige Patienten im Wachkoma eingeschränkt Reize wahrnehmen können; gleichwohl ist die Schere zwischen Hoffnung und Realität groß (vgl. aktuelle Diskussionen zur Intensivmedizin und Rehabilitationsfortschritten, etwa von der Deutschen Gesellschaft für Neurorehabilitation). Der gesellschaftliche Umgang mit Koma-Patienten und deren Rechten entwickelt sich ständig weiter, etwa im Hinblick auf ethische Fragen und Fortschritte bei Kommunikationstechnologien für schwer beeinträchtigte Menschen. Medienberichte der letzten 48 Stunden (etwa in der Süddeutschen und beim Spiegel) heben auch die Versorgungsprobleme und den emotionalen Druck auf das pflegende Umfeld hervor.