Ob man will oder nicht: Im Krankenhaus spielt das Risiko für arzneimittelbezogene Probleme eine viel größere Rolle, als sich viele vorstellen. Jede dritte eingelieferte Person bringt gleich eine Extraportion Komplexität bei der Medikation mit. Was vielen oft verborgen bleibt – hinter den Kulissen der Stationen arbeiten Apothekerinnen und Apotheker daran, Irrtümer zu vermeiden, Therapieabläufe geschmeidig zu halten und immer wieder Fehlerquellen zu schließen. Persönlich frage ich mich manchmal, wie dieses multidisziplinäre Jonglieren überhaupt gelingt – denn die Ansprüche an eine sichere, zugleich wirtschaftliche Versorgung steigen stetig.
Wie zentral ihr Beitrag ist, unterstreicht Dr. Jochen Schnurrer, Präsident der ADKA – und ehrlich gesagt, kann ich ihm kaum widersprechen. Es ist diese punktgenaue Expertise, die dafür sorgt, dass Risiken schon erkannt werden, bevor sie den Patienten überhaupt erreichen. Ein ganz aktuell kollaborativ entwickeltes Schema der ADKA für Infusionen auf Intensivstationen illustriert das: Statt improvisierter Misch-Experimente gibt es jetzt standardisierte Handlungsempfehlungen, die direkte Kompatibilitätsprobleme von Medikamenten verhindern. Das mag nach Papierkram klingen, ist in Wahrheit aber hochpraktischer Alltagsschutz.
Natürlich, das alles klappt nicht immer reibungslos und es betrifft bei weitem nicht alle Patientinnen und Patienten. Klinisch-pharmazeutische Leistungen verbreiten sich – aber flächendeckend ist das noch nicht. Es bleibt also eine Lücke, eine, die Folgen haben kann. Kurz gesagt: Die ADKA nutzt diesen Tag nicht nur für Lob, sondern richtet an Politik und Entscheidungsträger den dringenden Appell, mehr Personal und festere Strukturen einzubinden. Denn jede vermiedene Inkompatibilität und jede aufgeklärte Fehldosierung rettet Leben – Tag für Tag, nicht nur als Feigenblatt am Hospital Pharmacy Day.
Übrigens: Die ADKA ist kein kleiner Verband, sondern vereint über 90 % der Krankenhausapotheker*innen in Deutschland. Ihre Mission bleibt, bestmögliche Therapie in Sachen Wirksamkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit – eine Balance, die tägliche Neugier und stetige Verbesserung verlangt.
Die Arbeit von Krankenhausapothekerinnen und -apothekern wird in Zeiten steigender Komplexität im Gesundheitswesen immer essentieller – das sagt nicht nur die ADKA, sondern lässt sich auch an aktuellen Entwicklungen ablesen: Laut aktuellen Recherchen verstärkt das Bundesgesundheitsministerium die Förderung sektorenübergreifender digitaler Medikationsmanagement-Systeme, um die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Gesundheitseinrichtungen zu verbessern. Ein neuer Bericht der Deutschen Krankenhausgesellschaft zeigt, dass Krankenhäuser mit starker pharmazeutischer Einbindung 30 % weniger unerwünschte Arzneimittelereignisse verzeichnen. Zudem arbeitet das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) ab 2026 eng mit Krankenhausapotheken zusammen, um Qualitätsindikatoren für Medikationssicherheit erstmals systematisch im Routinebetrieb zu erheben. Das zeigt: Die Rolle der Krankenhausapotheker*innen wandelt sich von der verborgenen Helferin im Hintergrund zur gestaltenden Kraft für Patientensicherheit.