An einem der windigsten Orte Europas, dort, wo der Jakobsweg am tosenden Atlantik endet, beginnt Hauptkommissar David Acosta unfreiwillig ein ganz neues Kapitel: Zwei Pilgerinnen stoßen auf eine tote Frau – Mitarbeiterin im Pilgerbüro von Santiago. Acosta übernimmt den Fall, nicht zuletzt um seiner zerrütteten Familie wieder näherzukommen, doch schnell holt ihn die raue galicische Umgebung ein. Unterstützung bekommt er von dem sturen Kommissar Adrían Martinéz, der nur schwer Autorität akzeptiert, sowie von Kommissarin Mercédes Navarro, die mit ihrem messerscharfen Blick Stimmungen aufschnappt, die anderen entgehen. Die Ermittlungen führen sie zu Carmelo, einem sonderbaren Pilger, dessen Geschichte verworrener ist, als es zunächst scheint. Während das Ermittlerteam zwischen wilden Berghängen, uralten Pfaden und einem Gestrüpp aus Eifersucht und alten Rechnungen gräbt, zerreißen interne Konflikte beinahe die Einheit. Die raue Schönheit Galiciens mit ihren dramatisch aufschäumenden Wellen wird von Kameramann Christian Huck so eingefangen, dass sie fast ein eigener Charakter wird. Inszeniert hat das Ganze der preisgekrönte Adolfo J. Kolmerer, der für seine detailverliebte Art bekannt ist. Vielleicht nicht der klassische Pilgerkrimi, sondern eher ein stimmungsvolles Drama, das zwischen Glauben, Vergangenheit und Gewalt oszilliert.
‚Die Tote vom Jakobsweg‘ bringt mit ihrem Krimi-Plot nicht nur klassische Ermittlungsarbeit in eine spirituelle Umgebung, sondern legt besonders Wert auf Atmosphäre und komplexe Figuren. Im Zentrum steht die Zerbrechlichkeit menschlicher Beziehungen, die sich im Mikroklima eines abgelegenen Ortes unter Ermittlungsdruck noch verschärft. Die Kritiken der letzten Tage zu ARD-Produktionen betonen verstärkt, dass gerade die neuen Formate von ARD Plus versuchen, mit internationalen Schauplätzen, ungewöhnlichen Teamkonstellationen und einem Blick auf gesellschaftliche Brüche gegen traditionelle Krimiklischees zu arbeiten. Nach Recherche der letzten 48 Stunden wird klar: Die ARD sucht bewusst nach ungewöhnlichen Stoffen und setzt auf Diversität, Authentizität und Landschaften abseits touristischer Postkartenmotive.