„Das hat mich ehrlich gesagt ziemlich irritiert“, formulierte Thorsten Frei im Morgentalk der ‚Welt‘, als das Gespräch auf die Gesangsaktion der AfD kam. „Besonders, wenn es Abgeordnete oder ranghohe AfD-Politiker sind, steckt dahinter eindeutig ein politisches Kalkül.“ Die AfD versucht, so Frei weiter, durch die Betonung einer vermeintlich eigenen ostdeutschen Identität zu punkten – doch er hält das für einen durchschaubaren Schachzug. Frei findet: Nach beinahe vier Jahrzehnten Einheit sollte der Fokus auf Verbindendem liegen, nicht auf neuen Gräben.
Interessant, wie Frei auf die Entwicklung in Ostdeutschland eingeht: „Wenn ich nach Sachsen-Anhalt oder Brandenburg schaue, sehe ich viel Fortschritt. Die Bundesregierung unterstützt gezielt, dass hier neue Industriezentren entstehen.“ Für ihn wäre nationale Gemeinsamkeit das Gebot der Stunde – er habe wenig übrig für Versuche, nostalgisch oder gar spaltend alte Mythen zu reaktivieren. „Wir stehen als Gesellschaft doch ohnehin vor enormen Aufgaben – warum sollten wir uns künstlich trennen lassen?“, fragt er abschließend. Er klingt dabei fast ungeduldig, fast genervt, wie jemand, dem dieses Spiel zu simpel erscheint.
Kanzleramtschef Thorsten Frei stößt sich daran, dass AfD-Politiker auf einer Veranstaltung die alte DDR-Hymne anstimmen und darin einen Versuch sehen, politische Botschaften zu senden, die das Gemeinsame der deutschen Einheit infrage stellen. Er kritisiert insbesondere die Strategie der AfD, eine spezielle ostdeutsche Identität zu stilisieren und damit auf Kosten der gesamtdeutschen Einigkeit Fronten zu schaffen. Frei verweist zudem auf die Fortschritte und Stärken Ostdeutschlands seit der Wende und plädiert dafür, die Herausforderungen gemeinsam anzugehen statt alte Unterschiede zu betonen.
Aktuell wird die Kritik an solchen symbolisch aufgeladenen Aktionen immer lauter, gerade im Kontext der kommenden ostdeutschen Landtagswahlen. Der politische Diskurs bleibt aufgeladen – die AfD setzt im Osten weiterhin auf Identitätsdebatten, während sich andere Parteien gezielt für Zusammenhalt und Förderung der strukturschwächeren Regionen engagieren. Zudem ist auffällig, dass die gesellschaftliche Debatte über die Bedeutung von Symbolen wie Hymnen oder Flaggen in Deutschland wieder an Schärfe gewinnt, nicht zuletzt durch gezielte Provokationen von Rechtsaußen.