FDP-Chef Dürr stellt sich Herausforderer Höne beim Parteitag – Richtungsstreit um die Liberalen

Keine Spur von Rückzug: Nach der Kandidatur von Parteivize Henning Höne gibt Christian Dürr sich kämpferisch und will seinen Platz als FDP-Vorsitzender verteidigen. Beide stehen damit für unterschiedliche Visionen innerhalb der Partei, die gerade am Scheideweg steht.

heute 17:29 Uhr | 4 mal gelesen

Christian Dürr gibt sich gelassen, ja fast trotzig: „Ich biete eine FDP an, die sich als hoffnungsvoller Erneuerer versteht, mit einer klaren Vorliebe für die soziale Marktwirtschaft“, so erklärte er es dem 'Spiegel'. Damit grenzt er sich spürbar von Parteikollegen und Herausforderer Henning Höne ab, der oft als Impulsgeber für einen anderen Kurs gilt. Dürr verwies darauf, dass die Freien Demokraten früher immer dann erfolgreich gewesen seien, wenn sie sich mit ihrer typischen Mischung aus Liberalismus und Pragmatismus wichtigen Fragen der Zeit gestellt hätten – ob es in den 1970ern nun Gesellschaftspolitik gewesen sei oder, wie heute, die wirtschaftlichen Baustellen, die viele Menschen umtreiben. Unschönes Detail am Rande: Erst vor wenigen Tagen wurde entschieden, dass der gesamte Bundesvorstand mit Dürr an der Spitze vor dem Parteitag im Mai den Rückzug erklärt. Gleichzeitig kandidieren etliche von ihnen aber erneut. Was für ein Schauspiel. Aber vielleicht ist genau das typisch Partei: viel innerer Streit, viel Bewegung – und manchmal kommt am Ende doch noch ein Funken neuer Energie dabei heraus.

Die bevorstehende Wahl des FDP-Parteivorsitzes entwickelt sich zu einer echten Richtungsentscheidung für die Liberalen. Christian Dürr, der sich als Vertreter einer optimistischen, wirtschaftsliberalen Linie sieht, tritt gegen Parteivize Henning Höne an, der die Partei inhaltlich anders aufstellen will. Das Manöver des vollständigen Rückzugs des Bundesvorstands – mit gleichzeitiger erneuter Kandidatur mehrerer Mitglieder – verdeutlicht das Ringen um den künftigen Kurs. Der offenen Debatte um Pragmatismus versus inhaltliche Erneuerung widmen sich aktuell viele große Medien, etwa mit Hinweisen auf akute Herausforderungen wie niedrige Umfragewerte und den Spagat zwischen Regierungsbeteiligung und eigenem Profil. Aktualisierte Analysen zeigen, dass die FDP aktuell mit massiven Vertrauensproblemen kämpft, sich aber neue Gesichter und klare Positionierung von der Parteibasis wünschen. Inzwischen liegt die FDP in bundesweiten Umfragen nur knapp bei 5 Prozent, was den Druck auf Parteispitze und Basis enorm erhöht.

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