Mehr Menschenleben retten – Reform zur Lebendorganspende im Bundestag verabschiedet

Mitten in einer Zeit, in der Organspenden knapp sind, ringt sich der Bundestag zu neuen, flexibleren Regeln für die Lebendorganspende durch.

heute 16:20 Uhr | 4 mal gelesen

Es ist schon bezeichnend: An diesem Donnerstag diskutiert der Bundestag aufgeladen, bis der neue Gesetzesvorschlag von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) schließlich durchs Ziel geht – Rückenwind kommt von der Koalition und den Grünen. Die Linke sträubt sich dagegen, während die AfD sich nicht klar positioniert und sich der Stimme enthält. Was künftig anders werden soll? Lebendnierenspenden dürfen jetzt auch zwischen Paaren erfolgen, die nicht miteinander verwandt oder liiert sind – Stichwort Überkreuzspende. Man kann sich das fast wie einen kleinen lebensrettenden Organkreis vorstellen: Wenn ein zukünftiger Spender mit seinem eigenen Partner oder Angehörigen nicht kompatibel ist, findet sich ein anderes Paar in derselben Situation, doch über Kreuz passt es plötzlich. Dazu wird in Deutschland erstmals ein nationales Austauschprogramm für Nieren ins Leben gerufen. Ebenfalls neu: Sogenannte anonyme, nicht gerichtete Spenden – jemand spendet, ohne die Empfängerin oder den Empfänger zu kennen. Über allem schwebt das Thema Schutz: Die Rechte und die Absicherung der Lebendspender sollen ausdrücklich besser garantiert sein. Gesundheitsministerin Warken spricht von "einem Tag der Hoffnung für alle, die auf eine neue Niere warten". Dass familiäre Schranken und Blutgruppen-Hürden nun kein unüberwindbares Hindernis mehr sind, klingt nach einem – zugegeben: längst überfälligen – Schritt nach vorn.

Mit der Reform zur Lebendorganspende öffnet Deutschland nun ausdrücklich die Möglichkeit der sogenannten Überkreuz-Spende, also dass zwei Paare Organe tauschen können, wenn sie mit den eigenen Partnern nicht kompatibel sind. Diese Erweiterung wurde vor dem Hintergrund entwickelt, dass in Deutschland beständig deutlich zu wenige Nieren gespendet werden – trotz steigenden Bedarfs. Laut Deutsche Stiftung Organtransplantation warten allein derzeit rund 8.500 Menschen in Deutschland auf eine Niere, viele von ihnen tatsächlich vergebens. Die Politik reagiert mit dem neu eingeführten nationalen Austauschprogramm auf erfolgreiche Modelle etwa aus den Niederlanden und den USA, die schon länger auf Überkreuz-Lösungen setzen. Parallel werden anonyme Spenden möglich, und Rechte sowie Versicherungen für Spender verschärft. Verschiedene Leitmedien bewerten die Reform als einen notwendigen, aber eher späten Schritt. Unterdessen ist die gesellschaftliche Debatte um ethische Aspekte, etwa Freiwilligkeit und Druck auf mögliche Spender, keineswegs beendet.

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