Die Meldung stammt von Politico, einem Portal, das gerne mal den Finger in die Wunde legt. Reiche sagte offenbar, es brauche mehr Flexibilität beim Erreichen von Klimaneutralität – zu starke Fokussierung auf absolute Zielerfüllung könne kontraproduktiv sein. Im Prinzip: Ein bisschen Luft nach oben, oder besser gesagt: Die letzten 5 bis 10 Prozent könnten wir vielleicht auch aufschieben.
Nachhaltigkeit sei zwar wesentlich, betonte sie, aber nicht um jeden Preis. Bricht das Ziel, weil wir die Wirtschaft abwürgen, dann müsse eben neu gedacht werden. Am längeren Hebel sitzt ihrer Ansicht nach die Wettbewerbsfähigkeit Europas: Verliert man die großen, energiehungrigen Industrien, bleibt vom grünen Revolutionsträumchen nur heiße Luft.
Interessant – sie fordert nicht das Ende der Klimapolitik, sondern eine offenere Herangehensweise, die Realitäten wie Energiepreise oder Versorgung nicht aus den Augen verliert. "Zuviel Ehrgeiz kann fesseln", sagte sie, sinngemäß – und da kann man wohl zustimmend nicken oder energisch mit dem Kopf schütteln.
Reiches Einwurf konterkariert jüngste Initiativen der EU, das Klimaziel 2050, also Netto-Null-Emissionen, ohne Kompromisse umzusetzen. In Houston vertritt sie die Position, dass technologische Vielfalt und wirtschaftliche Machbarkeit wichtiger seien als dogmatische Zielvorgaben. In aktuellen Berichten wird zunehmend diskutiert, dass steigende Energiekosten und Verlagerung energieintensiver Branchen nach Übersee den politischen Druck auf Europas Klimapolitik erhöhen. Laut FAZ und Zeit werden derzeit Stimmen aus der Wirtschaft lauter, Pragmatismus über Ideologie zu stellen. Während die Bundesregierung an ihren Zielen festhält, mehren sich Zweifel, ob diese ohne gravierende soziale und wirtschaftliche Einschnitte erreichbar sind.