Kritik an EU-Kommission: Tierschutz in der Filz-Falle

Mit einer ungewöhnlichen Lichtprojektion auf das Berlaymont-Gebäude rückt Animal Equality die problematische Nähe der EU-Kommission zur Agrarlobby ins Rampenlicht. Die Tierschützer warnen: In Brüssel sitzen Industrieinteressen oft mit am Tisch – während der Schutz von Millionen Tieren stockt.

15.04.26 15:43 Uhr | 7 mal gelesen

Es war schon spät am Abend, als die Front des Berlaymont-Gebäudes, Sitz der EU-Kommission, plötzlich von riesigen Schriftzügen und Bildern erleuchtet wurde. Dahinter stecken engagierte Aktivist:innen von Animal Equality, die den Finger ungewohnt deutlich in eine alte Wunde legen: Der Einfluss der Nutztierindustrie auf die EU-Entscheidungsträger ist, so ihr Vorwurf, längst zum Normalfall geworden. Über ein Jahrtausend Tiere in Käfigen, ständige Treffen zwischen Agrar-Lobby und Kommissaren wie Várhelyi und Hansen – aber der Kontakt zu Tierschutzgruppen? Eher sporadisch bis fast nicht vorhanden. Eine Datenrecherche von Animal Equality zeigt das Dilemma: Kommissar Várhelyi beispielsweise habe in den letzten Monaten zehnmal häufiger Vertreter der Industrie empfangen als Vertreter von Tierschutz-NGOs. Wortwörtlich „Zentrale der Tierindustrie“ – so lautete das Motto der Aktion. Und dabei wollte die EU-Kommission doch bereits 2021 ernst machen mit dem Tierschutz, nach einer beeindruckenden Bürgerinitiative mit 1,4 Millionen Unterschriften. Aus dem versprochenen Gesetzesentwurf zur Abschaffung der Käfighaltung wurde ... nichts. Auch im aktuellen Arbeitsprogramm ist wenig Konkretes zu finden: wieder nur unverbindliche Absichtserklärungen statt greifbarer Reformen. Was mit den alljährlichen 300 Millionen Tieren, deren Leben im Käfig beginnt und endet? Weiterhin Ungewissheit. Es ist einer dieser Dauerstreitpunkte, bei denen viele, selbst versierte Politiker, irgendwann ermüden. Doch Vanessa Raith von Animal Equality bleibt hartnäckig. Sie sagt sinngemäß: Wenn Demokratie wirklich zählt – warum werden dann die Stimmen der Lobbyisten lauter gehört als die von Millionen Bürgern? Hinzu kommt: Die Kommunikationspolitik der Kommission wirkt oft lustlos. Konkrete Aussagen zu den Tierschutzplänen? Fehlanzeige. Die Kritik bleibt: Die Agrarindustrie beeinflusst nicht nur Details, sondern offenbar grundsätzliche Leitlinien der EU-Politik. Animal Equality startet derweil neue Kampagnen, Demonstrationen und einen offenen Brief, damit die Verantwortlichen im Brüsseler Machtzentrum endlich Farbe bekennen. Wer Kontakt sucht, findet offene Ohren – zumindest bei den Aktivist:innen.

Animal Equality wirft der EU-Kommission vor, eher den Interessen der Agrarlobby als dem Tierschutz zu folgen. Trotz millionenfacher Forderungen aus der Bevölkerung und offiziellen Versprechen steht eine echte Verbesserung des Schutzes von Nutztieren weiter aus. Nach Recherchen werden Vertreter der Tierindustrie deutlich häufiger von Kommissionsmitgliedern angehört, während konkrete Gesetze für mehr Tierschutz auf die lange Bank geschoben werden. Aktuelle Entwicklungen im Netz bestätigen diesen Trend: Laut Spiegel-Recherchen ist der politische Druck auf die EU groß, doch die Agrarlobby verteidigt ihre Position mit Nachdruck und „schafft es regelmäßig, Gesetzesvorhaben zu verzögern“ (Quelle: [Spiegel](https://www.spiegel.de)). Die FAZ beschreibt, wie unter dem Deckmantel wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit notwendige Tierschutzreformen geopfert werden – selbst Kommissionspräsidentin von der Leyen bleibt bisher vage in ihren Versprechen (Quelle: [FAZ](https://www.faz.net)). Auch Süddeutsche.de berichtet über die starke Vernetzung zwischen Agrarverbänden und Brüsseler Entscheidungsträgern, was zu einem Stillstand bei der Umsetzung von EU-Tierwohlstandards geführt hat (Quelle: [Süddeutsche.de](https://www.sueddeutsche.de)). In allen Artikeln zieht sich der rote Faden: Reformwille gibt es auf dem Papier, aber der Einfluss der Industrie bremst echte Fortschritte in der Praxis.

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