Hundert Jahre Menschsein: Die Geschichten von Helmut und Friedel im ZDF "37°"

Wer den 100. Geburtstag feiert, blickt auf ein Leben voller Geschichten, Brüche, Neuanfänge – und manchmal Wunder, zurück. Regisseur Yves Schurzmann hat mit Helmut Luft (101) und Friedel Zimmermann (106) zwei beeindruckende Hundertjährige getroffen und bringt ihre berührenden Erinnerungen in der "37°"-Reportage "100 Jahre Leben: Was wirklich zählt" (ab 14. April 2026 im ZDF und in der Mediathek) einem breiten Publikum näher. Beide sprechen offen über Vergangenheit, Verluste und die Kunst, sich immer wieder für das Leben zu entscheiden.

heute 16:55 Uhr | 4 mal gelesen

Manchmal denke ich, Zeit ist wie ein alter Koffer: Man sammelt im Laufe der Jahrzehnte Hoffnung, Angst, Liebe und Berge von Erinnerungen – und nie weiß man, welche Geschichte beim Öffnen zuerst herauspurzelt. Helmut Luft und Friedel Zimmermann, beide deutlich über 100, teilen in der aktuellen "37°"-Doku ihre Versionen dieses schwer bepackten Reisegepäcks. Beide durchlebten Krieg, Abschied und Neuanfang – doch ihre Antworten auf die Frage nach dem Sinn des langen Lebens könnten kaum unterschiedlicher, und hoffnungsvoller zugleich sein. Helmut, leidenschaftlicher Golfer und Autor, hegt eine Vorliebe für das, was er selbst die "vier L" nennt: Laufen, Lernen, Lachen, Lieben. Er findet gerade in scheinbar gewöhnlichen Tagen einen tieferen Wert und schildert offen Verluste, wie den Tod seiner Frau – offenbart sogar den dunklen Moment des "ein Jahr lang mitsterben wollens". "Bleib Mensch und gib nicht auf zu denken", lautet seine Devise. Friedel wiederum, die nie Scheu hatte, ihr Leben neu zu gestalten – ob als Mutter im Alleingang, Weltreisende auf einem Segelschiff oder nun als Seniorin im Heim – hält am Grundsatz fest, lieber mit einem Lächeln durchs Leben zu gehen. "Manchmal kann man sich daran gewöhnen, unglücklich zu sein. Ich habe mich fürs Gegenteil entschieden." Besonders einprägsam: Ihre Ehrlichkeit, wie schwer es ihr fällt, im Heim Hilfe annehmen zu müssen und sich dem strengen Alltag zu fügen. Trotz allem strahlen Würde und Eigenständigkeit aus jedem ihrer Worte. Fast entsteht der Eindruck, als ob an ihrem Blick auf das Leben und das Alter irgendwie mehr Lebenskunst steckt als in manch einem Selbsthilfebuch. Wer weiterdenken will, schaut die Reportage und entdeckt vielleicht eigene, neue Antworten auf die alte Frage: Was zählt am Ende wirklich?

Die Reportage "100 Jahre Leben: Was wirklich zählt" stellt mit Helmut Luft und Friedel Zimmermann zwei Charaktere vor, die weit über ein Jahrhundert Lebenserfahrung mitbringen. Im Zentrum steht nicht das Staunen über ihr Alter, sondern die Frage, wie sie nach all den Umbrüchen ihren Lebensmut, Humor und die Freude am Neuentdecken bewahren – trotz tragischer Verluste und schwieriger Umstände. Recherchen zeigen: Gerade die Resilienz, Sinnsuche und Eigenständigkeit, die bei ihnen spürbar wird, sind laut aktuellen Studien oft entscheidende Faktoren für Zufriedenheit im hohen Alter. Laut [Spiegel.de] liegt Deutschlands Hundertjährigen-Anteil im europäischen Vergleich recht hoch; Experten diskutieren dafür nicht nur über medizinische Versorgung, sondern vor allem über das soziale Umfeld, geistige Flexibilität und Haltung zum Altwerden. Während über Digitalisierung und Altenbetreuung aktuell politisch debattiert wird, rücken Formate wie "37°" die persönlichen Lebenskunstwerke von Menschen wie Helmut und Friedel in den Vordergrund – fern jeder Altersromantik, aber mit spürbarer Wärme.

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