Kritische Stimmen zu den aktuellen Reformideen aus der Rentenkommission

Die jüngst veröffentlichten Denkansätze der Rentenkommission sorgen für ordentlich Gegenwind: Sowohl von Wirtschaftsexperten als auch von Gewerkschaftsseite hagelt es Kritik an den geplanten Änderungen.

heute 14:05 Uhr | 1 mal gelesen

Wenn man Veronika Grimm, eine der "Wirtschaftsweisen", fragt, schlägt sie wenig versöhnliche Töne an: Das eigentliche Problem sei nicht die Kommission selbst, sondern die Richtung, die die Bundesregierung bislang eingeschlagen habe – politisch schon viel zu mutlos und sogar kontraproduktiv, wie sie dem "Handelsblatt" sagte. Sie hält eine automatische Kopplung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung für sinnvoll und würde die Rente mit 63 sowie Minijob-Regelungen lieber heute als morgen kippen. Während die Kommission eine "Kapitalsäule" vorsieht, würde Grimm lieber auf individuelle Konten setzen, bei denen das angesparte Geld wirklich jedem Einzelnen gehört – sonst drohe das finanzielle Polster im Ernstfall politisch vielleicht doch angetastet zu werden. Was Selbstständige angeht: Ja, Absicherung ist Pflicht, aber zwingend in die gesetzliche Rentenversicherung sollen sie aus ihrer Sicht nicht – da gebe es profitablere, flexiblere Wege, sagte Grimm erneut, und fürchtet, dass so die ohnehin oft risikoreiche Selbstständigkeit noch unattraktiver wird. Frank Werneke, Chef der Gewerkschaft Verdi, sieht das meiste auch eher kritisch. Zwar findet er die Abschaffung der Minijobs und die geplante Einbeziehung von Selbstständigen eigentlich gut, aber vor allem beim drohenden Sinken des Rentenniveaus ab 2031 läuten bei ihm die Alarmglocken: Die geplante kapitalgedeckte „Ausgleichsspritze“ für kommende Rentnergenerationen hält er schlicht für ein leeres Versprechen ohne reale Wirkung – stattdessen solle die betriebliche Altersvorsorge ausgebaut werden. Für ihn ist das Vorhaben, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen, ein Affront gegen Menschen mit jahrzehntelanger Arbeitsleistung, die ohnehin körperlich und psychisch stark belastet sind. In seinen Worten: Die Lebensleistung der Menschen muss stärker zählen als blanke Rechenmodelle.

Die aktuellen Reformvorschläge der Rentenkommission stoßen in verschiedenen Lagern auf Skepsis bis offene Ablehnung. Während Wirtschaftsprofessorin Grimm kritisiert, dass die Regierung mit bisherigen Regelungen die Fundamentalkorrektur in der Rentenpolitik blockiere und radikalere Schnittstellen wie eine konsequente Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung sowie Abschaffung der Minijobs fordert, warnt Gewerkschaftsboss Werneke vor einem sozialen Kahlschlag und fordert, die Lebensrealitäten besser zu berücksichtigen. Neuere Debattenbeiträge, etwa in der "Zeit" und "FAZ", deuten darauf hin, dass das Thema auch angesichts der demografischen Entwicklung an Brisanz nicht verlieren wird; sie betonen außerdem, wie schwer es sein wird, gerechte Lösungen für junge wie alte Generationen gleichermaßen zu finden – und dass die Rentenfrage weit mehr ist als eine reine Rechenaufgabe, sondern immer auch ein Stück Sozialpolitik bleibt.

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