Manchmal geraten politische Debatten in Berlin so aus den Fugen, dass man nur noch den Kopf schütteln kann. Diesmal im Mittelpunkt: Sarah Wedl-Wilson, die Kultursenatorin ohne Parteibuch, die nach heftigem Ärger um die Vergabe von Fördermitteln zurücktreten will. Hintergrund ist ein vernichtender Prüfbericht des Landesrechnungshofs, in dem die Verwaltung ihrer Behörde bezüglich der zugewiesenen Millionen für Projekte gegen Antisemitismus hart kritisiert wurde. Es sei „willkürlich“ und „ersichtlich rechtswidrig“ gehandelt worden – bezeichnende Worte, die sich nicht gerade nach einem Kavaliersdelikt anhören. Vielleicht hat Wedl-Wilson den Eindruck gewonnen, dass es manchmal besser ist, selbst das Feld zu räumen, als tage- oder wochenlang Sündenbock zu spielen. Interessant ist dabei, wie schnell in Berlin große Gesten vollzogen werden, während anderorts Begriffsstutzigkeit herrscht. Doch ist das wirklich die Lösung, oder ist es nur der bekannte politische Reflex: Erst wenn der Schaden da ist, wird Konsequenz demonstriert?
Sarah Wedl-Wilson strebt nach dem Skandal um angeblich rechtswidrig vergebene Fördermittel für Projekte gegen Antisemitismus den Rücktritt an und hat bereits ihre Entlassung bei Berlins Regierendem Bürgermeister Wegner eingereicht. Der Landesrechnungshof hatte schwerwiegende Mängel sowie fehlende Transparenz in der Vergabe aufgedeckt; betroffen sind Projekte im Gesamtwert von etwa sechs Millionen Euro. Diverse Medien berichten, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Wegner und Wedl-Wilson massiv gestört sei, während in Berlin nun eine Phase der politischen Aufarbeitung beginnt und mehrere Organisationen mit möglichen Rückforderungen rechnen müssen. Laut Recherchen von Tagesspiegel und Deutschlandfunk standen die Förderungen offenbar seit Längerem in der Kritik und hatten für erhebliche Irritationen sowohl innerhalb der Senatsverwaltung als auch in der Kulturlandschaft Berlins gesorgt.