Die Debatte bekam zusätzlich Fahrt, nachdem Wolfgang Kubicki, aktueller Kandidat für den Parteivorsitz, im Funke-Podcast eine gewisse Gleichgültigkeit hinsichtlich der sogenannten Brandmauer zur AfD äußerte. Regeln oder Gesetze für eine solche Brandmauer? Davon halte er wenig, ließ Kubicki durchblicken. Ob er mit AfD-Vertretern auftritt oder nicht – für ihn nachrangig. Allerdings, so Kubicki, ziehe er klare Linien: Keine Koalitionen, keine Duldung und auch keine Zustimmung zu AfD-Anträgen. Dennoch: Eigene parlamentarische Initiativen würde er nicht stoppen, nur weil die AfD eventuell mitgeht. Ein Balanceakt, der polarisiert.
Die Diskussion zeigt: Innerhalb der FDP gibt es spürbare Spannungen darüber, wie strikt man sich von rechter Politik abgrenzen sollte. Und man fragt sich unwillkürlich: Wie viel Ambivalenz verträgt eine liberale Partei, bevor sie ihre Seele aufs Spiel setzt?
Marie-Agnes Strack-Zimmermann warnt eindringlich vor einer Rechtsentwicklung in der FDP und fordert, kompromisslos an der liberalen Grundhaltung festzuhalten. Der Hintergrund: Wolfgang Kubicki, selbstbewusster Mitbewerber um den Parteivorsitz, relativiert die Bedeutung einer Brandmauer zur AfD, betont jedoch, keine Zusammenarbeit mit der Partei anzustreben. Das sorgt parteiintern für Verstimmung und wirft Grundsatzfragen nach der künftigen Ausrichtung der Liberalen auf. Aktuelle Recherchen zeigen, dass diese Debatte in der FDP derzeit besonders brisant ist, weil sie inmitten ohnehin schwacher Umfragewerte und wachsender Unsicherheiten über den Kurs der Partei stattfindet (so etwa berichtet die 'Süddeutsche' ausführlich). In anderen Medienbeobachtungen, wie etwa bei der 'FAZ' und bei 'Zeit Online', wird deutlich, dass auch in der Koalition mit Grünen und SPD die Gereiztheit über die Abgrenzung zur AfD wächst, da Rechtspopulismus bis tief in bürgerliche Milieus hineinwirkt. Der Streit innerhalb der FDP steht also sinnbildlich für die Herausforderungen, mit denen sich derzeit viele liberale Parteien in Europa konfrontiert sehen: die Gratwanderung zwischen klarer Kontur und taktischer Offenheit im Umgang mit populistischen Kräften.