Lufthansa: Kein Einlenken im Tarifstreit – Flugausfälle und harte Fronten

Auch nach tagelangen Streiks bei Lufthansa scheint eine rasche Einigung zwischen Management, Piloten- und Flugbegleitergewerkschaften fern. Vorstandschef Carsten Spohr gibt sich im Tarifkonflikt konsequent – selbst auf Kosten hunderter ausgefallener Flüge.

heute 15:49 Uhr | 3 mal gelesen

„Lieber einige Tage im Krisenmodus als dauerhaft geschwächt“, stellt Carsten Spohr klar – und lässt durchblicken, dass Lufthansa den Druck der jüngsten Streikaktionen aussitzt. Er sieht im laufenden Umbau hin zu einer global agierenden Airlinegruppe die einzige Zukunftschance – was, zugegeben, für die Belegschaft alles andere als einfach klingt. Allein am vergangenen Freitag griffen die Aktionen schon massiv ins Reisegeschehen ein: Mitten im Rückreiseverkehr zum Ferienende fiel reihenweise der Betrieb aus, ausgelöst durch UFO und die Muttergesellschaft Cityline. Der Arbeitskampf eskaliert: Diese Woche legen die Pilot:innen – aufgerufen von der Vereinigung Cockpit (VC) – ihre Arbeit nieder. Erschreckende Bilanz: Kaum jeder zweite Langstreckenflug, nur ein Drittel der Kurzstrecken finden wie geplant statt. Was viele nicht auf dem Schirm haben: Im Hintergrund buhlen gleich mehrere Gewerkschaften um die Gunst der Belegschaft – UFO, VC, aber auch Verdi, mit denen es gerade einen neuen Vertrag für die Jungtochter City Airlines gab. Überhaupt ist das alles ganz schön verzwickt, denn manche Tarifregeln stammen laut Spohr noch aus der langen Ära als Staatsunternehmen – Relikte, die heute wie Bleigewichte auf dem Konzern lasten. Spohr will vor allem eines: Die Kosten bei der Kernmarke einfangen und möglichst flexibel agieren. Und weist den Vorwurf zurück, Gewerkschaften auszuspielen – das wäre seiner Meinung nach ohnehin das letzte Mittel, schließlich könne jede Belegschaft andere Wege wählen. Währenddessen trifft all das die Lufthansa mitten ins Herz: Exakt in der Woche des 100-jährigen Jubiläums fallen reihenweise Flüge aus. Übrigens, der Bundeskanzler samt Politprominenz kommt trotzdem zur Feier, auch wenn die Stimmung wohl getrübt ist. Die Vereinigung Cockpit zeigt sich kämpferisch, aber verhandlungsbereit. Montag gingen nach ersten Schätzungen über 700 Flüge flöten. „Wir verfolgen die Lage, wissen, dass unsere Aktionen Wirkung zeigen“, sagt VC-Präsident Pinheiro. Auch ist klar: Die Piloten fordern substanzielle Angebote statt leere Versprechen und verweisen gerne auf den Gegensatz zwischen Boni der Vorstände und angeblicher Krise bei LH Classic. Der Druck auf alle Beteiligten ist enorm, auch auf Passagiere und Bodenpersonal. Streiks seien zwar lästig, sagt Pinheiro, aber ohne sie ginge Arbeitnehmerrechte buchstäblich baden – „Kollektives Betteln kann's ja wirklich nicht sein.“ Ob es einen weiteren Streiktag gibt? Das liegt nun einzig an der Unternehmensspitze. Am Mittwoch rufen UFO und VC gemeinsam zur Demonstration am Frankfurter Flughafen auf – mitten im öffentlichen Scheinwerferlicht.

Der Tarifstreit zwischen Lufthansa und den Spartengewerkschaften der Piloten und Flugbegleiter bleibt festgefahren, obwohl sich die Streiks in den letzten Tagen zugespitzt haben und bereits hunderte Flüge ausfielen. Vorstandschef Spohr setzt weiter auf Umstrukturierung und Wettbewerbsfähigkeit; unmittelbare Kompromisssignale gibt es nicht, trotz massiver Auswirkungen auf Reisende und Belegschaft. Interessant ist, dass die Gewerkschaften auch untereinander konkurrieren und dabei unterschiedliche Schwerpunktforderungen und Strategien verfolgen. Ergänzend berichten aktuelle Medien: Laut SZ und Spiegel verfestigt sich der Eindruck, dass der Lufthansa-Vorstand keinerlei schnellen Zugeständnisse plant und die Piloten ihre Verhandlungsbereitschaft mit Versorgungssicherheit koppeln. Die Demonstration am Flughafen Frankfurt sorgt zudem für mediale Aufmerksamkeit und erhöht den politischen Druck – nicht zuletzt, weil die Streiks ausgerechnet zum Konzernjubiläum stattfinden. Abseits des unmittelbaren Konflikts beobachten einige Wirtschaftskommentatoren, dass sich Lufthansa den tiefgreifenden Umwälzungen im europäischen Luftverkehr stellen muss – und der aktuelle Streit nur Symptom tieferer Umbrüche in Tarifkultur und Geschäftsmodellen ist.

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