KI in der Praxis: Zwischen Labor, Alltag und Gesellschaft – Eindrücke von der SAINT 2024

St. Pölten – Unter dem etwas sperrigen, aber treffenden Motto „Beyond the Paper: Real-World in Action“ rückte die Social Artificial Intelligence Night (SAINT) an der Fachhochschule St. Pölten den Übergang von KI-Forschung zu handfesten Anwendungen in den Mittelpunkt. Die Tagung vereinte Menschen aus Wissenschaft, Unternehmen und Technologieinteressierte, um gemeinschaftlich ein Bild davon zu zeichnen, wo wir im echten Leben mit Künstlicher Intelligenz stehen – und wohin die Reise gehen könnte. So trägt die SAINT entscheidend dazu bei, Trennlinien zwischen Forschungslabor, Konferenztisch und Alltagsrealität zu durchbrechen.

heute 15:00 Uhr | 4 mal gelesen

Es sind manchmal die ganz frischen, leisen Erkenntnisse am Rande, die aufhorchen lassen. Die Keynote von Loubna Ben Allal – sie arbeitet als Machine Learning Engineer bei Hugging Face, einer bekannten Plattform für Open Source KI-Sprachmodelle – war vielleicht genau so ein Moment. Sie sprach über das sogenannte 'SmoILM Training Playbook' und gab dabei erstaunlich offene Einblicke in die Entwicklung kleiner, schlanker Sprach-KIs, die dennoch erstaunlich leistungsfähig bleiben. Ihr Fazit: Gerade bei routinemäßigen, alltäglichen Aufgaben sind Mini-Modelle – etwa SmolLM?3 – weiterhin unverzichtbar. Denken wir an Geräte, die offline arbeiten müssen, oder Bereiche mit strengem Datenschutz – da will niemand riesige Datenpakete in irgendeine Cloud schicken. Die aktuellen Trends? Weniger eigenes Modell von Grund auf trainieren, mehr Feinschliff an vorhandenen, bewährten Open Source Modellen. Viel wichtiger seien heute, so Ben Allal, hochwertige Daten und aussagekräftige Evaluationen – ein klarer Schwenk im Selbstverständnis vieler Entwicklerinnen und Entwickler. Das Programm auf der SAINT, bunt gemischt und fast ein bisschen wie ein lebendiges Labor: Anwendungen, die Nudeln im Produktionsprozess erkennen oder rechtliche Vorgaben automatisiert umsetzen, standen ebenso im Fokus wie Überlegungen, wie KI nachvollziehbar, sicher und gesetzeskonform funktionieren kann. Der neue EU AI Act und die DSGVO: nicht bloß Störfaktor, sondern bisweilen sogar kreativer Anstoß. Sebastian Eresheim, Mitorganisator und Forscher an der FH St. Pölten, bemerkte, wie inspirierend es sei, dass hier so viele ganz verschiedene Leute – von Juristinnen bis Entwickler, von Unternehmen bis Studis – sich miteinander austauschen. Abstand vom Elfenbeinturm, hin zu echten Verbindungen. Etwas überraschend kam bei all der Fachsimpelei noch ein weiteres Element ins Spiel: Die FH St. Pölten hat ein KI-Reallabor eröffnet. Kein abgehobener Forschungsraum, sondern ein tatsächlicher Begegnungsort, in dem Projekte erprobt, Infrastruktur geteilt und Ideen direkt in den Alltag überführt werden sollen. Marlies Temper, Studiengangsleiterin, hebt die Beteiligung der späteren Anwender*innen hervor: Wer KI wirklich in der Breite einsetzen möchte, muss bereit sein, mit Menschen auf unterschiedlichstem Wissensstand in Dialog zu treten. So gesehen ist die Schnittstelle zwischen Hochschule, Wirtschaft und Zivilgesellschaft nicht irgendein Nebenschauplatz, sondern der eigentliche Austragungsort der KI-Zukunft.

Die Social Artificial Intelligence Night (SAINT) an der Fachhochschule St. Pölten gab Einblicke in aktuelle KI-Projekte, von effizienten Mini-Sprachmodellen bis hin zu Anwendungen, die auf praktische und gesellschaftlich relevante Einsätze abzielen. Die Eröffnung eines KI-Reallabors unterstreicht das Ziel, Forschung, Ausbildung und Wirtschaft eng miteinander zu verzahnen und gerade auch den Dialog mit der breiten Öffentlichkeit zu fördern. Neu recherchiert: Die aktuellen Debatten um Künstliche Intelligenz in Österreich und Europa spielten während der Veranstaltung eine große Rolle. Es wird zunehmend darauf geachtet, dass KI-Anwendungen transparent, nachvollziehbar und datenschutzkonform gestaltet werden – insbesondere im Kontext des neuen EU AI Acts, der strenge Regularien für „Hochrisiko-KI“ vorsieht. Auch die tagesaktuelle Presse berichtet über einen ausgeprägten Trend hin zu Open Source KI-Lösungen, die in flexible und skalierbare Infrastrukturen (wie im neuen Reallabor) eingebettet werden und darauf zielen, die Innovationskraft europäischer Unternehmen zu stärken und gleichzeitig gesellschaftliche Akzeptanz zu fördern.

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