MDR-Tarifabschluss 2026: Keine Lohnerhöhungen, aber Schutz für Mitarbeitende

Leipzig – Nach monatelangen und herausfordernden Gesprächen haben sich MDR, DJV, Ver.di und Unisono am 29. Mai auf einen neuen Tarifvertrag verständigt. Trotz wirtschaftlichem Druck konnte ein Kompromiss gefunden werden, der Verantwortung und Fairness gleichermaßen betont. Die finale Zustimmung des Verwaltungsrats steht – doch die Erklärung aller Partner läuft noch bis 23. Juni 2026.

heute 17:32 Uhr | 3 mal gelesen

Hier ein schneller Überblick zu den wichtigsten Fragen:

Wie ist das Gesamtpaket vor dem aktuellen Hintergrund zu bewerten?

Der Abschluss spiegelt die schwierige finanzielle Situation des MDR wider. Einerseits berücksichtigen die Vereinbarungen die drängende Notwendigkeit zu sparen, andererseits wird Wert auf das Schicksal der Belegschaft gelegt; vor allem jene, die von angekündigten Kürzungen oder Umstrukturierungen betroffen sind. Häufig sind es gerade langjährige Mitarbeitende, für die die Auswirkungen besonders spürbar sind.

Gibt es eine Gehaltserhöhung?

Nein, und das klingt vielleicht ernüchternd für viele. Die Gewerkschaften hatten sich mehr erhofft, sogar bis zu 7% höhere Entgelte angestrebt. Unter den aktuellen Sparzwängen, ausgelöst durch finanzielle Engpässe und fehlende Beitragserhöhungen, war das jedoch laut MDR nicht drin – also bleibt 2026 beim Alten, zumindest beim Geldbeutel.

Wie lange gilt der neue Vertrag?

Die Gültigkeit ist überschaubar: Vom 1. Januar bis einschließlich 31. Dezember 2026. Danach wird wieder neu verhandelt, was zeigt, wie unsicher und volatil das Gelände zur Zeit ist.

Was macht die Lage gerade so kompliziert?

Die KEF, zuständig für die Beitragsfestlegung, hatte eine Anhebung vorgeschlagen. Weil die Bundesländer aber nicht zustimmten, fehlen dem MDR schon jetzt Millionen in der Kasse. 2025 und 2026 sind es jeweils rund 20 Millionen Euro weniger – oben drauf kommt ein existierendes Sparprogramm von insgesamt 160 Millionen bis 2028. Das geht nicht spurlos am Programm vorbei.

Wo steht die Beschäftigungssicherung?

Ein großes Anliegen der Gewerkschaften war der Schutz von Arbeitsplätzen. Der MDR hält sich an frühere Zusagen, besonders für langjährig Beschäftigte und sogenannte arbeitnehmerähnliche Freie. Kündigungen aus rein betriebsbedingten Gründen sind im Kompromiss für einen Kernzeitraum ausgeschlossen: Vom 28. Mai bis zum 31. Oktober 2026 bleibt es ruhig; danach greifen die üblichen Fristen und Bedingungen.

Und wer geht trotzdem leer aus?

Naturgemäß gibt es trotzdem Fälle, in denen betriebliche Kündigungen möglich bleiben: etwa bei Verhaltensproblemen oder aus programmlichen Gründen. Wer betroffen ist, fällt geschützten Regelungen unter – aber es ist nicht alles abgedeckt.

Wie läuft das mit den Sonderzahlungen für Freie?

Für viele freie Mitarbeitende geht mit den Kürzungen ein erheblicher Einkommensausfall einher. Gerade jene, die zum Beispiel im Mittagsmagazin, bei MDR um 2 oder Tatort/Polizeiruf aktiv sind, können eine Ausgleichssonderzahlung beantragen. Die Auszahlung ist an enge Bedingungen geknüpft – relevant ist der Unterschied zwischen Honoraren in 2025 und dem folgenden Betrachtungszeitraum. Sinkt das Einkommen, greift ein abgestufter Ausgleich, abhängig von der Dauer der Tätigkeit beim MDR.

Und das Prozedere?

Die Antragszeitspanne für diese Sonderzahlungen ist knapp bemessen: April bis Juni 2027. Gibt’s Streit? Dann kann eine paritätisch besetzte Kommission angerufen werden, die hilft, Unklarheiten aus dem Weg zu räumen.

Fazit

Weder Gewinner- noch Verliererstimmung – unterm Strich aber ein Paket, das versucht, Balance zu wahren zwischen Sparzwang und Schutzpflicht, zwischen Zahlen und Gesichtern hinter den Zahlen.

Kontakthinweis: Kommunikations- und Mediendesk MDR, Telefon (0341) 3 00 64 55, E-Mail: kommunikation-desk@mdr.de

http://ots.de/6013ec

Der MDR und die Gewerkschaften haben einen Kompromiss gefunden, der angesichts der angespannten finanziellen Situation auf Lohnerhöhungen verzichtet, aber befristet betriebsbedingte Kündigungen ausschließt und Sonderzahlungen für besonders betroffene freie Mitarbeitende vorsieht. Hintergrund sind ausbleibende Rundfunkbeitragsanpassungen, die den Budgetdruck weiter verschärfen und ein Sparpaket in Millionenhöhe notwendig machen – begleitet von schmerzhaften Einschnitten ins Programm. Neu hinzu kommt, dass durch aktuelle Berichterstattung verschiedene Medien auf das Thema öffentlich-rechtliche Finanzierung und Strukturwandel im Rundfunk aufmerksam machen: Laut Süddeutsche Zeitung und FAZ wächst der politische Druck auf Entscheidungsträger, Reformen bei Gebühren und Strukturen anzustoßen, wobei auch die Transparenz im Umgang mit Sparmaßnahmen und Stellenabbau im Fokus steht. Der MDR-Tarifabschluss spiegelt diese Spannung zwischen gesellschaftlichem Auftrag, wirtschaftlicher Notwendigkeit und sozialer Verantwortung wider. Insgesamt wird der Sparkurs am öffentlich-rechtlichen Rundfunk kontrovers diskutiert – und das längst nicht nur bei den Betroffenen, sondern auch in Politik und Gesellschaft.

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