Geplant war ein Austausch am 15. April – Naturschutzverbände und Vertreter der Fischerei hatten sich auf ein Gespräch mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) freute. Themen: der dramatische Rückgang der heimischen Schweinswale und die hohe Zahl von Tieren, die als Beifang im Netz verenden. Doch der Minister ließ sich entschuldigen. Anstelle einer sachlichen Debatte zog Backhaus eine Pressekonferenz zum Einzel-Schicksal des auch als 'Timmy' oder 'Hope' bekannten Buckelwals vor, der aktuell für Schlagzeilen sorgt. Das Umweltministerium teilt immerhin mit, dass eine Abteilungsleiterin den Termin übernahm.
Meeresforscher wie Henning von Nordheim von der Uni Rostock nutzen die Gelegenheit, um auf das stille Sterben der Schweinswale hinzuweisen: Über 50 Tiere verenden jährlich als Beifang vor Mecklenburgs Küste – eine erschütternde Zahl, die trotzdem öffentlich weitgehend ungehört bleibt. Von Kritikern wird beklagt, dass medienwirksam einzelne Tiere gerettet werden, während der systematische Schutz der Wale auf der Strecke bleibt. Die bedrohte Population der Ostseeschweinswale zählt nur noch wenige Hundert Individuen. Von Nordheims Fazit bleibt hängen: 'Es ist einfach nicht akzeptabel, dass Jahr für Jahr Schweinswale qualvoll in Netzen sterben – sie fühlen Schmerzen, sie leiden, ähnlich wie dieser große Wal jetzt.' Irgendwie bekommt man den Eindruck, dass der Schutz der Meere immer dann den Kürzeren zieht, wenn es um Aufmerksamkeit und Prioritäten geht.
Der Vorfall zeigt eine altbekannte Schieflage auf: Sobald ein großer Wal in der Ostsee stranden oder sich verirren sollte, ist das mediale Interesse sofort geweckt, während das umfassendere Problem der sterbenden Schweinswale kaum Beachtung findet. Experten mahnen seit Jahren, dass jährlich Dutzende Schweinswale in Netzen sterben und effektive Schutzmaßnahmen fehlen – die kleine Population in der Ostsee bleibt gefährdet. Neue Recherchen (u.a. von SPIEGEL, SZ und Zeit) bestätigen zudem, dass Gesetze zur Reduktion des Beifangs zwar existieren, aber in der Praxis oft nicht konsequent überwacht oder umgesetzt werden – ein systemisches Problem, das kaum öffentlich diskutiert wird.