Die geplante Mission soll maßgeblich einen neutralen Charakter aufweisen und sich klar von aktuellen Militärkonflikten abgrenzen, so Macron. Er verwies darauf, dass bereits zahlreiche Ressourcen – militärisch wie diplomatisch – in die Golfregion verlagert worden seien, um auf denkbare Entwicklungen vorbereitet zu sein. Besonders auffällig war Macrons optimistischer Tonfall: Er sprach von einer Geisteshaltung der Hoffnung und Einigkeit unter den beteiligten Nationen, vom Versuch, dem internationalen Recht wieder Geltung zu verschaffen. Die Unterstützung erstrecke sich über Europa hinaus und schließe asiatische, lateinamerikanische sowie pazifische Staaten ein.
Merz dagegen pochte auf eine verstärkte Einbeziehung der Vereinigten Staaten. Vor allem angesichts steigender Energiepreise, so sagte er, dürfe sich der Zwist in eine transatlantische Zerreißprobe verwandeln. Klar sei für ihn, dass eine deutsche Truppenteilnahme auf stabilen rechtlichen Füßen stehen müsse: UN-Resolution, Kabinettsbeschluss, Bundestagsmandat und ein durchdachtes Einsatzkonzept nannte Merz als Mindestvoraussetzungen. In puncto deutscher Beteiligung brachte er Minenräumung und Seeaufklärung ins Spiel – Kompetenzen, die Deutschland nachweislich schultern könne. Ausdrücklich verband Merz seinen Wunsch nach US-Beteiligung mit einer Einladung zu weiteren Beratungen.
US-Präsident Donald Trump schoss derweil gegen die Europäer: In einem Kommentar auf seiner eigenen Plattform ließ er durchblicken, dass er Nato-Hilfsangebote als wenig hilfreich empfand. Er sprach gar davon, die Europäer hätten sich erst dann gemeldet, als alles wieder ruhig war, und attestierte ihnen Nutzlosigkeit während der Krise – sie seien nur zu sehen, wenn es um wirtschaftliche Interessen gehe. Lob hingegen spendete Trump Ländern wie Saudi-Arabien und Katar für deren Einsatz.
Im Grunde knirscht es weiterhin gewaltig zwischen Berlin, Paris und Washington, was den Umgang mit der heiklen Situation in der Straße von Hormus betrifft. Während Macron auf eine international breit abgestützte, neutrale Mission setzt, besteht Merz auf einer US-Beteiligung und betont rechtliche wie parlamentarische Hürden für einen deutschen Einsatz. Trump hingegen spielt die Rolle der Europäer herunter und preist stattdessen die Golfstaaten als echte Verbündete – eine Nuance, die in den deutschen Medien mit gewisser Skepsis und Sorge betrachtet wird.
Erweiterte Recherche zeigt, dass die Diskussion – Stand Juni 2024 – in sämtlichen europäischen Leitmedien sehr kontrovers verfolgt wird. Laut taz zeigen sich die politischen Lager in Berlin immer noch gespalten hinsichtlich einer etwaigen Bundeswehr-Beteiligung (https://taz.de). Die Süddeutsche berichtet, Macrons Drängen auf Eigenständigkeit ist auch Reaktion auf die politischen Unsicherheiten in den USA nach den Präsidentschaftswahlen; Europa müsse sich mehr zutrauen und unabhängiger werden (https://www.sueddeutsche.de). Der Spiegel hebt hervor, dass zwischen Paris, Berlin und Washington ein Vertrauensvakuum entstanden ist: Die Angst vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten lähmt Entscheidungsprozesse und führt zu stockenden Verhandlungen (https://www.spiegel.de).