Wer heute am Stadtrand durch Moisling schlendert, dem fällt vielleicht eine merkwürdige Stille auf – zumindest dort, wo das metallische Glitzern von knapp 800 ausgedehnten Sonnenkollektoren die Wiesen ziert. Es wirkt fast ein bisschen futuristisch, wie die Module stramm in Reih und Glied stehen, bereit, das einzufangen, was Lübeck so oft beschert wird: Sonnenlicht (und zugegeben, manchmal auch ein ganzer Schwall Wolken). Bürgermeister Jan Lindenau kann seine Begeisterung kaum verbergen, als er die Möglichkeiten des Parks lobt – für ihn ist das Ganze weniger ein politischer Balanceakt als vielmehr ‚gelebte Verantwortung‘. Die Stadtwerke als Herzstück der Aktion setzen auf eine klug getaktete Umstellung: „Klimaziele zum Anfassen“, sagt Dr. Jens Meier, Chef der Stadtwerke – das klingt pathetisch, ist aber ziemlich präzise. Mit dieser Lösung werde Fernwärme so beherrschbar wie noch nie, unabhängig davon, ob russisches Gas oder politischer Wind sich drehen.
Was an Solarthermie so spannend ist: Sie funktioniert irgendwie wie ein riesiger Teekessel auf dem Dach; Energie wird gesammelt, gebunkert und dann bei Bedarf ins Stadtgebiet gepumpt. Im Zahlenrausch: 788 Kollektoren, fast so lang wie Lieferwagen und schwer wie ein kleines Auto, bringen zusammen auf 8 MW – so viel Energie, dass 350 Haushalte es wohlig warm hätten, ein Jahr lang. Klar, da gibt's ein paar Stolpersteine; Lübeck ist zwar nicht Spanien, und die Nordkante Deutschlands kann sprunghaft sein. Doch ein kluger Wärmespeicher, der 3.000 Kubikmeter fasst, hilft, Sonnenstunden zu konservieren. Die Bilanz? 800 Tonnen CO2 jährlich weniger – das ist so, als würde Moisling ein Jahr lang auf Silvester-Raketen verzichten.
Mit dem neuen Solarthermiepark zeigt Lübeck, wie Stadtentwicklung, Klimaschutz und Technik Hand in Hand gehen könnten – zumindest klingt das erst einmal überzeugend. Die Zahlen sprechen für sich: Bis zu 11,7 Prozent des örtlichen Wärmebedarfs können nun mit Sonnenkraft gedeckt werden. Überregionale Berichte (z.B. Süddeutsche, Zeit Online) unterstreichen dieses Modell als Blaupause für weitere Kommunen, betonen aber auch, dass der Mix aus Wärmepumpen, Speichertechnologien und Fördermitteln über langfristigen Erfolg entscheidet. Aktuelle Einschätzungen aus der Fachpresse relativieren jedoch: Trotz aller Fortschritte bleibt der Beitrag für die gesamte Energiewende noch überschaubar, zumal die Abhängigkeit von fossilen Energien und knappen Fachkräften bestehen bleibt. Parallel dazu wird in anderen Bundesländern über vergleichbare Projekte diskutiert, in Dänemark gilt diese Technologie übrigens schon länger als Standard – ein Umstand, den Deutschland langsam, aber sicher aufholt.