Neobroker setzen ETF-Anbieter unter Zugzwang: Kommt jetzt die Bestandsprovision?

ETF-Depots galten bislang als gebührenarm – jetzt wollen einige Neobroker offenbar ein Stück vom Kuchen abhaben und fordern Beteiligungen an ETF-Gebühren. Die Bafin bestätigt Versuche und die Branche ist aufgeschreckt.

heute 11:33 Uhr | 4 mal gelesen

Die Finanzaufsicht Bafin registriert, dass einzelne Online-Broker, insbesondere schnelle Neobroker, versuchen, sich mit ETF-Anbietern auf zusätzliche laufende Gebühren – sogenannte Bestandsprovisionen – zu einigen. Bisher war dieses Modell aus der klassischen Fondswelt bekannt: Depotbanken oder Berater erhalten teils jedes Jahr einen Anteil der laufenden Fondsgebühren als Provision. Für ETFs, die lange für ihre transparenten, günstigen Kostenstrukturen gelobt wurden, wäre das ein Paradigmenwechsel. Fondsanalyst Ali Masarwah spricht sogar von einem drohenden Tabubruch und warnt, man drohe, Fehler der Fondshistorie zu wiederholen. Grund für das Ganze ist eine Gesetzesnovelle: Ab dem 30. Juni ist es Brokern untersagt, Ordergebühren – das sogenannte "Payment for Orderflow" – von Handelsplätzen zu kassieren, was insbesondere Neobroker wie Trade Republic trifft. Sie suchen nun offenbar nach neuen Wegen, ihre Plattformen zu finanzieren. ETF-Schwergewichte wie Blackrock oder DWS halten sich mit Äußerungen bedeckt. Der Vermögensverwalter Gerd Kommer erklärt, dass man bei lukrativeren Spezial-ETFs mit mehr Spielraum für Gebührenteilungen rechne, nicht aber bei etablierten Billig-ETFs. Professor Andreas Hackethal sieht die Sorge vor steigenden Kosten gelassen: Im harten Konkurrenzkampf könnten die Anbieter kaum an der Preisspirale drehen. Andere Modelle – zum Beispiel eigene Handelsplätze – stehen im Raum. Interessant am Thema ist übrigens auch, wie wenig offen die größten Player auf Nachfragen reagieren – das spricht dafür, dass hinter den Kulissen einiges verhandelt wird, wovon die Kunden bislang noch wenig mitbekommen. Es bleibt abzuwarten, ob die ETFs als letzte "Geldanlage für alle" auch diesen Ansturm der Intermediäre schadlos überstehen.

Neobroker, die durch das Auslaufen der Orderflowzahlungen bald eine zentrale Einnahmequelle verlieren, versuchen offenbar, ETF-Anbieter zu sogenannten Bestandsprovisionen zu bewegen. Das würde die seit Jahren bestehende Gebührenstruktur der ETFs, die bislang als besonders transparent und kostengünstig gelten, ins Wanken bringen. Die Bafin sieht entsprechende Entwicklungen und warnt vor möglichen Nachteilen für Privatanleger; Experten halten den Spielraum für Preiserhöhungen jedoch für begrenzt, weil der Wettbewerb sehr hart ist. Aktuelle Recherchen zeigen, dass die Diskussion um Provisionsmodelle nicht nur in Deutschland, sondern auch auf europäischer Ebene Fahrt aufnimmt und neue Möglichkeiten – etwa alternative Ertragsmodelle oder eigene Handelsplätze der Broker – in Prüfung sind. Rechtspolitisch gibt es erste Anzeichen, dass die Regulierung sich künftig noch stärker auf Kostentransparenz und die Vermeidung von Interessenkonflikten konzentrieren könnte, wie zuletzt in verschiedenen Branchengesprächen thematisiert wurde.

Schlagwort aus diesem Artikel