Zurückhaltung bei Dax-Konzernen: Entlastungsprämie stößt auf Skepsis

Viele der größten deutschen Börsenunternehmen zögern, die von der Bundesregierung angebotene Entlastungsprämie an ihre Belegschaft weiterzugeben.

heute 19:05 Uhr | 6 mal gelesen

In einer jüngst veröffentlichten Befragung der "Bild am Sonntag" unter sämtlichen im Dax gelisteten Unternehmen zeigt sich eine auffallende Zurückhaltung bezüglich der geplanten steuerfreien Entlastungsprämie. Vorneweg die Commerzbank: Sie winkte bereits ab. Auf Anfrage ließ eine Sprecherin durchblicken, dass die Umsetzung derzeit kein Thema sei – die zusätzlichen Ausgaben seien unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schlicht zu herausfordernd. "Vor allem angesichts des beträchtlichen Kostendrucks in vielen Branchen sehen wir das kritisch", so die Erklärung. Dieses Zögern zieht sich quer durch den gesamten Konzernsektor: Unternehmen wie BASF, Adidas und Zalando wollen zunächst die konkreten gesetzlichen Details abwarten, ehe sie eine Entscheidung treffen. Es herrsche abwartende Skepsis – von VW hört man zum Beispiel nur die nüchterne Mitteilung, man habe die Pläne registriert. BMW verweist auf laufende Tarifgespräche. Spürbar kritischer äußerte sich lediglich Scout24, ein relativer Neuling im Dax. Man überlege zwar, äußert aber Bedenken, dass Entlastung durch freiwillige Unternehmensleistungen laufen soll. "Eigentlich müssten solche Maßnahmen unmittelbar die treffen, die wirklich Unterstützung brauchen", heißt es da.

Die zögerliche Haltung vieler Dax-Konzerne zur Entlastungsprämie der Bundesregierung lässt Zweifel am praktischen Nutzen dieser Maßnahme aufkommen. Zwar loben Politiker die steuer- und abgabenfreie Sonderzahlung als gezielte Unterstützung für Beschäftigte angesichts steigender Lebenshaltungskosten, doch aus Sicht vieler Unternehmen sind die wirtschaftlichen Risiken und Unwägbarkeiten zu groß. Hinzu kommt die grundsätzliche Skepsis, ob solche Hilfen sinnvollerweise über den Weg freiwilliger Unternehmensentscheidungen laufen sollten—Scout24 kritisierte etwa, die eigentliche Notwendigkeit einer direkten staatlichen Förderung werde so verfehlt. Erweiterung nach aktueller Recherche: Die Debatte um zusätzliche Zahlungen und staatliche Entlastungen bleibt ein hochaktuelles Thema, zumal zuletzt auch von Gewerkschaftsseite wiederholt höhere Löhne und Einmalzahlungen angesichts der Inflation gefordert wurden. Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung gehen auch andere Unternehmen aus dem Dax die Debatte teils offen, teils zurückhaltend an: Während sich beispielsweise Siemens grundsätzlich offen zeigt, pocht Bayer auf die Notwendigkeit klarer Rahmenbedingungen. Die Bild-Zeitung berichtete, dass ausgerechnet die Energiepreise – einer der Hauptgründe für die Entlastungsprämie – erneut in den Mittelpunkt rücken und so zusätzlichen Druck auf die Unternehmen ausüben. Aktuelle Artikel aus der Wirtschaftspresse regen zudem an, auch die längerfristigen Auswirkungen solcher einmaligen Hilfen auf die Gehaltsstruktur und das Betriebsklima nicht zu unterschätzen.

Schlagwort aus diesem Artikel