Verdi-Chef empört: Streichung des 1. Mai als Feiertag steht zur Debatte

Frank Werneke, Vorsitzender der Gewerkschaft Verdi, reagiert mit scharfer Kritik auf Überlegungen, den Tag der Arbeit als gesetzlichen Feiertag zu kippen.

heute 12:59 Uhr | 3 mal gelesen

Darf man den 1. Mai einfach opfern – so, als wäre das irgendein x-beliebiger Tag im Kalender? Verdi-Chef Frank Werneke findet allein den Gedanken skandalös. Aus seiner Sicht ist die gegenwärtige Debatte um die Abschaffung des Maifeiertags mehr als ein bloßer Vorschlag aus dem politischen Off – vielmehr sei sie ein Symptom eines weitergehenden Sozialabbaus. So nannte Werneke es regelrecht „unerhört“, dass auf Berliner Listen angeblich sogar erwogen werde, diesen Tag zu streichen. Arbeitnehmerrechte, ließ er das Redaktionsnetzwerk Deutschland wissen, würden scheinbar immer offener zur Disposition gestellt. Ihm missfällt besonders, dass die Union diesen Schritt sogar öffentlich erwäge. „Wir erleben gerade ein Trommelfeuer auf den Sozialstaat“, sagte er – und rief Beschäftigte dazu auf, der Regierung ihre Stimme laut und sichtbar entgegenzuhalten. Nach seinem Verständnis sind Errungenschaften wie der 1. Mai weniger selbstverständlich, als viele annehmen: „Wenn sich die Arbeitnehmer nicht zusammenschließen, ist hier nichts auf Dauer gesichert.“ Das klingt resigniert – und kämpferisch zugleich. Übrigens: Er hält es gerade jetzt für dringender denn je, am 1. Mai auf die Straße zu gehen. Zwischen uns: Wer hätte gedacht, dass der Tag der Arbeit einmal so auf der Kippe stehen könnte? Nachdenklich macht das schon.

Die kontroverse Diskussion um den Maifeiertag spitzt sich derzeit zu. Vor allem innerhalb der Gewerkschaften löst allein der Vorschlag, den 1. Mai als gesetzlichen Feiertag abzuschaffen, empörte Reaktionen aus. Verdi-Chef Werneke sieht darin ein deutliches Zeichen für einen wachsenden Druck auf Arbeitnehmerrechte und den Sozialstaat an sich. In den Medien wird die politische Motivation hinter den Überlegungen kritisiert: Insbesondere in Zeiten wachsender wirtschaftlicher Herausforderungen wächst offenbar die Bereitschaft, bisherige Errungenschaften – sprich: soziale Standards – als Sparpotenzial zu betrachten. Gerade vor dem Hintergrund aktueller Haushaltsverhandlungen und Sparvorschläge sind zahlreiche Stimmen laut geworden, die eine Schwächung der Arbeitnehmervertretung befürchten. International wird der 1. Mai als Symboltag für Arbeitnehmende gesehen – eine Abschaffung in Deutschland hätte wohl auch Signalwirkung über die Landesgrenzen hinaus. Interessanterweise mischt sich in der Berichterstattung auch eine gewisse Angst vor einem soziokulturellen Klima mit, das auf einmal alte Gewissheiten infrage stellt. Die Regierungsparteien distanzieren sich bislang von konkreten Plänen, die Union relativiert entsprechende Überlegungen und spricht von einer offenen Diskussion. Klar ist: Die Debatte läuft gerade erst heiß – und das Thema dürfte auch in den kommenden Wochen nicht von der Tagesordnung verschwinden.

Schlagwort aus diesem Artikel