Neue Broschüre in Sachsen-Anhalt: Lehrer erhalten Orientierung im Umgang mit Extremismus

Sachsen-Anhalt stattet Pädagogen mit einem frischen Leitfaden aus, um Extremismus in Schulen zu begegnen – mit Praxis-Tipps, Adressen und Diskussionsanregungen.

heute 14:46 Uhr | 3 mal gelesen

Am Dienstag trat in Magdeburg eine wegweisende Initiative ans Licht: Das Land Sachsen-Anhalt – präziser gesagt, das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung sowie das Bildungsministerium – hat einen neuen Leitfaden für Lehrkräfte und Mitarbeitende in der Schulsozialarbeit vorgestellt. Alles dreht sich um den Umgang mit extremistischen Tendenzen im Klassenzimmer. Die zugehörige Publikation fasst verschiedene Beratungsoptionen, Fortbildungen und Anlaufstellen zusammen und soll helfen, wenn etwa antisemitische Parolen die Runde machen, Eltern eine Radikalisierung befürchten oder überhaupt Unruhe aufkommt, weil Hass im Netz die Kinder erreicht. Interessant ist, wie praxisnah die Unterstützung sein will: Neben Telefonnummern und Kontaktdaten listet die Broschüre konkrete Schritt-für-Schritt-Empfehlungen und beschreibt, wie man etwa auf Rassismus oder Islamismus reagiert. Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) betonte, für die Demokratie sei das Gespräch lebenswichtig – Hass aber dürfe nicht unwidersprochen bleiben. Ihr CDU-Kollege, Bildungsminister Jan Riedel, erinnerte daran, dass Schulen mehr denn je Orte der demokratischen Haltung sind. Übrigens: Parallel dazu gibt es nun auch ein neues Regelwerk für verbindliche Standards in der politischen Bildung an Schulen sowie einen Leitfaden des Sozialministeriums, der das Thema politische Neutralität in der Kinder- und Jugendhilfe behandelt. Die Message: Neutralität ist nicht gleichbedeutend mit Gleichgültigkeit – menschenverachtende Aussagen müssen dabei klar abgegrenzt werden.

Mit dem neuen Leitfaden will Sachsen-Anhalt Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter gezielt dabei unterstützen, Extremismus, Diskriminierung und Radikalisierung im Schulalltag besser zu erkennen und zu begegnen – und das auf eine Art, die sowohl Orientierung als auch Handlungssicherheit bietet. Neben ausführlichen Kontakten zu Beratungsstellen umfasst die Broschüre empfehlenswerte Wege des Umgangs etwa mit Antisemitismus, Islamismus oder Hass im Internet. Laut aktuellen Medienberichten wächst bundesweit der Druck auf Schulen, da sie zunehmend mit politischer Polarisierung, Verschwörungserzählungen und digitalen Radikalisierungstendenzen (besonders über Social Media) konfrontiert sind – daher entstehen derzeit in mehreren Bundesländern vergleichbare Leitfäden und Initiativen. Nach Einschätzung von Fachleuten diskutiert die Politik angesichts gestiegener rechtspopulistischer Aktivitäten auch, wie Lehrerinnen und Lehrer besser rechtlich geschützt und nicht zu Sündenböcken von Debatten gemacht werden. Ob der neue Wegweiser praktisch hilft, wird sich zeigen – doch allein das offene Bekenntnis zur aktiven Haltung gegen Hass ist ein entscheidender Fortschritt.

Schlagwort aus diesem Artikel