Das 12. Budapester Stadtviertel – Hegyvidék – könnte fast einer Filmkulisse entsprungen sein: Herrschaftliche Jugendstilvillen auf der einen Seite, geschichtstrunkene Alleen auf der anderen. Mitten in dieses nostalgische Flair wurde nun, nach Plänen des Architekturbüros A Fiúk Építész Stúdió, ein erstaunlich moderner Bau gesetzt, der fast ein wenig trotzig in die Zukunft blickt – auch wenn er nur zwei Parteien beherbergt.
Die Architekten Zoltán Kabdebó und Dániel N. Varga haben aus der Not – dem elterlichen Grundstück und dem Wunsch nach einer neuen Heimat für mehrere Generationen – eine gestalterische Tugend gemacht. Kaum einerlei, dass die Fassade mit Materialien spielt: massiver, rotbrauner Klinker an der Basis, darüber der kantige Kubus mit Aluminiumhülle in einem tiefen, fast grantelnden Anthrazit. Die Backsteinlagen ziehen sich waagrecht durch das Ensemble, während die dunklen Aluminiumfassaden in streng vertikaler Linie aufragen. Eine subtile Spannung zwischen Gegenwart und Geschichte entsteht. Überhaupt: Die Entwässerung wurde wie ein kleines Geheimnis unter der Oberfläche versteckt, abseits von Regenrinnen und allzu sichtbarer Funktion.
Im Inneren begegnet einem eine fast schon kühle Zurückhaltung. Die untere Wohnung öffnet sich, beinahe misstrauisch, in den Garten. Oben erstrecken sich klar geschnittene Räume, einladend, aber nicht aufdringlich. Balkon und Dachterrasse schaffen Sichtachsen über Budapest, während im obersten Geschoss Relaxträume mit Master-Suite und Wellnessbereich untergebracht sind. Besonders clever: Durch die versetzte Geometrie gibt es Nischen, Überhänge und wettergeschützte Rückzugsorte. Helle Eichentöne und ausgesuchte Natursteinplatten sorgen für Ruhe, ohne zu prahlen.
Für die Aluminium-Verkleidung und die handwerklichen Details wurde Spenglermeister Richárd Tóth konsultiert, der mit seiner Begeisterung für das Material fast ansteckend wirkt. Die Verbindungen der Bleche an den Eckpunkten muten beinahe wie elegante Fächer an, Origami mit Metall. Es habe Präzision gefordert, sagt er – aber eben auch die Freude am Handwerk. PREFA-Aluminium: Seit der Markterschließung in Ungarn 2003 ist das Material dort vor allem unter Fachleuten ein Begriff für Langlebigkeit und Vielseitigkeit, Handwerk mit Konzept.
So fügt das Bauwerk nach außen einen kantigen Dialog zwischen Alt und Neu ins Ensemble – und drinnen entsteht ein Zuhause der leisen Töne.
Das neue Mehrfamilienhaus in Hegyvidék, Budapest, demonstriert beispielhaft, wie zeitgenössische Architektur und historisches Umfeld produktiv aufeinanderprallen können – oder besser: wie sie sich umkreisen. Die Planer von A Fiúk Építész Stúdió setzen auf ein Gleichgewicht zwischen Tradition (Klinker, massive Bauweise) und technischer Moderne (Aluminium, innovative Fassadengestaltung). Spürbar ist dabei ein Bewusstsein für Materialqualität und Nachhaltigkeit: PREFA stellt seine Produkte zu einem Großteil aus recyceltem Aluminium her und bezieht Energie überwiegend aus erneuerbaren Quellen, während fast alle Produktionsreste dem Recyclingkreislauf zugeführt werden. In Zeiten von Ressourcenknappheit und Klimadebatte wirkt dieser Ansatz nicht nur ästhetisch, sondern auch gesellschaftlich relevant. Laut aktuellen Artikeln der letzten Tagen wächst das Bewusstsein für nachhaltiges Bauen in Europa stetig: Mehr Projekte setzen auf recycelte Materialien und zukunftsfähige Energiekonzepte, wobei Fachmedien über Chancen, aber auch Hindernisse, wie Größenskalen und Investitionskosten, berichten. Dieser Bau ist – abgesehen vom rein optischen Reiz – somit auch ein kleines Lehrstück dafür, wie das Neue und das Alte, die Ökologie und das luxuriöse Leben, unter einen Hut zu bringen sind.