Neues Verpackungsgesetz – Hoffnungsträger und Stolpersteine

Ein frischer Gesetzesentwurf will das Recycling von Verpackungen ankurbeln – zwischen politischen Ambitionen, innovativem chemischem Recycling und der Sorge um steigende Bürokratie.

19.11.25 16:54 Uhr | 73 mal gelesen

Mal ehrlich: Das Thema Verpackung und Recycling war noch nie sexy, aber plötzlich steht es wieder ganz oben auf der politischen Tagesordnung. Das Bundesumweltministerium prescht mit einem Entwurf für das neue Verpackungsgesetz vor. Ziel: Mehr Kreislauf, weniger Müll, Hersteller nicht mehr aus der Pflicht entlassen. Und als kleine Überraschung – ein technologieoffener Ansatz, der erstmals chemisches Recycling als sinnvollen Baustein anerkennt. Laut dem Verband Plastics Europe Deutschland ist das ein längst überfälliger Schritt, um das große Recyclingziel – 75 Prozent bis 2030 – realistisch zu machen. Fünf Prozent davon dürfen mittels chemischen Verfahren erbracht werden – nicht viel, aber für die Befürworter eine symbolische Weichenstellung. Trotzdem: Die Sache hat auch Schattenseiten. Die Industrie stöhnt unter den drohenden Mehrkosten – satte 90 Millionen Euro, so die vorsichtige Schätzung. Angeblich Resultat neuer Berichtspflichten, in Wahrheit wohl teils hausgemachte Überregulierung. Die Chemiefirma-Verbände mahnen: Wenn Deutschland schon Vorreiter sein will, dann bitte effizient und ohne Bürokratiemonstrum. Trotz allem bleibt ein wichtiger Kritikpunkt bestehen: Noch immer fehlt ein klares Konzept, wie besonders nachhaltige Verpackungen finanziell belohnt werden. Andere Länder eilen (mal wieder) voraus. Übrigens, was steckt eigentlich hinter diesem chemischen Recycling? Statt Wertstoff zu schreddern, geht es hier ans Eingemachte: Mittels Pyrolyse, Solvolyse und anderen Gamechanger-Methoden werden alte Kunststoffe auf molekularer Ebene zerlegt und so fit gemacht für einen neuen Lebenszyklus. Gegenüber dem traditionellen mechanischen Verfahren, das mit Verunreinigungen kämpft, bekommt das chemische Pendant eine zweite Chance bei besonders verschmutzten oder vermischten Abfällen wie Autoreifen oder alten Matratzen. Nebenbei wird damit auch der Traum von Lebensmittelverpackungen aus „recyceltem Material“ weniger abstrakt. Unterm Strich? Viel Aufbruchsstimmung, aber nicht ohne Reibung und offene Fragen.

Der Gesetzentwurf zum Verpackungsrecht bringt neue Recyclingquoten und macht das chemische Recycling endlich salonfähig, bleibt aber bei finanziellen Anreizen für nachhaltige Verpackungen vage und schafft teils erheblichen bürokratischen Zusatzaufwand für die Industrie. Chemisches Recycling gilt als ergänzende Technologie zum etablierten mechanischen Verfahren und könnte vor allem bei bislang schwer recycelbaren Kunststoffen massive Vorteile bringen. Dennoch fordert die Industrie mehr europäische Rechtsklarheit und konkrete finanzielle Anreize, um wirklich nachhaltige Verpackungen zu fördern und Investitionssicherheit zu gewährleisten. Neueste Entwicklungen aus verschiedenen Quellen zeigen, dass das Thema Kreislaufwirtschaft EU-weit intensiver diskutiert wird, etwa in Hinblick auf die Umsetzung der EU-Verpackungsverordnung, die nicht nur höhere Quoten, sondern auch stärkeres Ökodesign für Verpackungen verlangt. In Frankreich und Italien entstehen Pilotmodelle für Rezyklat-Prämien, was deutschen Akteuren zusätzlichen Reformdruck macht. Parallel mehren sich in europäischen Medien Stimmen, die vor gelabeltem "Recycling" warnen, bei dem chemische Verfahren als Greenwashing missbraucht werden könnten.

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