Palantir-Chef Karp fordert mehr Offenheit für ukrainische Militärtechnik in Europa

Alex Karp, Chef des US-Analysegiganten Palantir, plädiert dafür, dass Europa von den bewährten Waffentechnologien der Ukraine profitiert – und warnt dabei vor risikoreichen Investitionen in unausgereifte Systeme.

heute 13:53 Uhr | 2 mal gelesen

Es ist schon bezeichnend, wenn ein Topmanager eines einflussreichen Tech-Unternehmens wie Palantir sich in die öffentliche Debatte über Rüstung einklinkt. Alex Karp, der CEO, schlägt Alarm: Angesichts explodierender Verteidigungsausgaben in Europa solle man sich nicht von Hochglanz-Präsentationen blenden lassen. Statt auf dem Papier funktionierende Innovationen zu kaufen, empfiehlt er europäische Einkäufer*innen, lieber auf Tools und Systeme zu setzen, die sich in der Hölle des echten Krieges bereits bewährt hätten. Karp kam am Dienstag mit Präsident Selenskyj in Kiew zusammen, danach wurde bekannt, dass die Kooperation zwischen Palantir und der Ukraine weiter vertieft wird. In einem seltenen Lob äußerte sich Karp begeistert über deren Innovationskraft – die ukrainische Armee agiere „wie ein modernes Tech-Unternehmen: schnell, datengetrieben, flexibel.“ Das beweise, so unterstreicht er, dass sich im Feld, fernab von Laborbedingungen, echte Lösungen herauskristallisieren. Er wirbt offen: Europäer sollten nicht zögern, Technologien zu integrieren, die in der Ukraine bereits weltweit gezeigt hätten, was sie können. All das geschehe laut Karp ohne Hintergedanken oder eigene finanzielle Interessen – fast schon ungewöhnlich offen für einen Chef der Branche. Aber er konstatiert: Wenn Europa weiter auf Systeme setzt, die von politisch motivierten, technisch aber schwachen Akteur*innen verteidigt werden, drohen teure Fehlentwicklungen. Bereits jetzt, so deutet er an, droht eine zementierte Industrie voller Lobbyisten und Interessen, die kaum mehr zu korrigieren wäre. Auf die Kritik, Palantir könnte zu viel Einfluss erhalten oder Datensouveränität der Ukraine gefährden, geht Karp explizit ein: Die Ukraine nutze zwar Komponenten seiner Software, entwickle aber entscheidende Teile selbst. Er gibt sich gelassen, fast lakonisch: „Wir wissen eigentlich gar nicht genau, was sie machen – und wir könnten sie auch nicht daran hindern. Die Kontrolle liegt bei Kiew.“ Klingt fast nach einem Zugeständnis, dass Vertrauen in Partner zur neuen Grundvoraussetzung in digitalisierten Kriegen wird. Aber sicher bin ich mir da nicht. Zu vieles an diesem neuen Verhältnis zwischen Tech-Unternehmen und Militär bleibt seltsam schillernd.

Alex Karp, Chef von Palantir, wirbt aktiv dafür, dass europäische Länder auf getestete, in der Ukraine eingesetzte Militärtechnologien setzen und warnt angesichts hoher Rüstungsausgaben vor Investitionen in theoretische und unerprobte Systeme. Er lobt die Flexibilität und Datenorientierung der ukrainischen Streitkräfte und hebt die Kooperation zwischen Palantir und der Ukraine hervor, betont jedoch, dass die Ukraine die Kontrolle über die Nutzung der bereitgestellten Technologie behält. In aktuellen Medienberichten wird deutlich, dass zunehmende Gespräche über digitale Souveränität und die Verschiebung von militärischer Innovationskraft vom Westen Richtung Osteuropa diskutiert werden – ein Trend, der nicht nur technisch, sondern auch politisch und gesellschaftlich Debatten auslöst.

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