Wenn amerikanische und andere NATO-Soldaten auf Grönland irgendwann Auge in Auge stünden, wäre das für Pistorius ein enorm ungewöhnlicher, eigentlich kaum vorstellbarer Moment – angesichts von 80 Jahren recht verlässlicher Bündnisgeschichte. "Das ist so unwahrscheinlich, dass wir uns nicht einmal darauf einstellen", betonte er am Donnerstag gegenüber den ARD-"Tagesthemen". Für Pistorius liegt der Fokus nicht auf politischen Planspielen, sondern beim realen Training unter extremen Bedingungen: Wie können Truppen in der klirrenden Kälte Grönlands üben? Die Erkundungsmission der Bundeswehr diene dazu, Fakten zu sammeln, Bodenbedingungen aus erster Hand zu testen. Ziel sei es, gemeinsam mit Partnern die Verantwortung für den Schutz der NATO-Gebiete zu tragen, denn gerade im arktischen Raum sieht Pistorius neue, größer werdende Herausforderungen durch Russland und China. Dass Trump den Anspruch auf die riesige Insel Grönland bekräftigte, kommentierte Pistorius relativ gelassen: US-Politik bestehe nicht nur aus einer Person, da gäbe es auch noch Kongress und Senat, mischte Pistorius sogar eine Spur Ironie in den Ton. Aber: Sicherheitsbedenken der USA wolle man teilen und gemeinsam angehen.
Pistorius stellte klar, dass die Anwesenheit der Bundeswehr in Grönland zeitlich rein zufällig sei – keine Aktion mit politisch-kalkuliertem Hintergedanken. Im Kern gehe es dem Minister um praktische Erkundung und Vorbereitung, wie die NATO-Staaten sich in der Arktis aufstellen können. Interessant ist, dass Grönland – eigentlich autonom, aber Teil Dänemarks – aktuell immer mehr ins geostrategische Schaufenster rückt: Die Ressourcenvorkommen, die Lage zwischen Nordatlantik und Arktischem Ozean und die Bestrebungen von Russland und China machen das Gebiet sensibel. Laut weiteren Medienberichten gibt es aktuell verstärkte NATO-Aktivitäten in Nordskandinavien und dem arktischen Kreis; dabei helfen gemeinsame Manöver, das Terrain besser zu verstehen und auf einen möglichen Ernstfall vorbereitet zu sein. Auch der Klimawandel spielt eine Rolle: Das abschmelzende Eis bringt nicht nur neue Seewege zutage, sondern auch neue Militärstrategien auf den Plan. Mehrere Experten in den untersuchten Quellen betonen, dass die Unsicherheit durch die bevorstehenden US-Wahlen das Bündnis zusätzlich bewegt.