Pistorius kontert US-Kritik beim NATO-Treffen in Brüssel

Bei der Versammlung der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel wies Boris Pistorius (SPD) den scharf formulierten Vorwurf seines US-Amtskollegen Pete Hegseth an die europäischen Bündnispartner entschieden zurück. Der deutsche Verteidigungsminister betonte in einer direkten Replik während der internen Sitzung, Europa sei bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen – trotz der amerikanischen Kritik.

heute 18:11 Uhr | 4 mal gelesen

Pistorius legte in Brüssel Wert auf den Gedanken, dass die NATO zwar transatlantisch bleiben müsse, aber gerade deshalb „europäischer“ werden solle. Mehr Eigenverantwortung in Europa? Ja, er ist überzeugt, das schaffen wir! Aber das heiße auch, dass die Partner sich aufeinander verlassen können müssen – Stichwort: Lastenteilung. Ungewöhnlich offen ging Pistorius auf das Statement von Hegseth ein, der öffentlich Zögerlichkeiten europäischer Partner beim Krieg gegen den Iran und mangelnde Militärhilfe kritisiert hatte. Pistorius wandte sich ausdrücklich gegen ein gegenseitiges Anprangern in der Öffentlichkeit: Interne Zwistigkeiten sollten nicht vor den Augen eines möglichen Gegners ausgetragen werden. An manchen Tagen klingt das nach Diplomatie auf Messers Schneide. Hegseth, dessen Äußerungen ungewöhnlich hart ausfielen, stellte sogar eine Reduzierung des US-Engagements in Europa in den Raum – begründet u.a. mit verweigerten Überflugrechten, undisziplinierten Verteidigungsausgaben sowie blockierten Militärbasen durch einzelne NATO-Mitglieder.

Pistorius hat sich beim NATO-Treffen gegen die deutliche Kritik von US-Verteidigungsminister Hegseth gewehrt und betonte, dass Europa durchaus Willen und Fähigkeiten habe, mehr Verantwortung im Bündnis zu übernehmen. Der Streitpunkt: Einige NATO-Länder verweigerten den USA zuletzt im Iran-Konflikt Überflugrechte oder die Nutzung von Stützpunkten, was Hegseth offen bemängelte – ebenso wie zu geringe Verteidigungsausgaben bei mehreren Partnern. Pianistorius setzt dagegen auf Zusammenhalt und warnt davor, Differenzen öffentlich auszutragen, um das Bündnis nicht zu schwächen. Neuere Medienberichte unterstreichen, wie komplex das Verhältnis nicht nur zwischen den USA und Deutschland ist, sondern auch innerhalb der europäischen NATO-Staaten. In deutschen Medien wird vermehrt diskutiert, wie Deutschland und andere EU-Länder auf die neuen Anforderungen der US-Seite reagieren sollen. Experten betonen zudem, dass ein stärker europäisches Engagement zwar gefordert wird, aber auch klare Grenzen in der militärischen Leistungsfähigkeit Europas existieren (vgl. FAZ, Zeit, Spiegel, taz, 13.-14.6.2024).

Schlagwort aus diesem Artikel