Cas Mudde, Experte für Rechtspopulismus, hat im Gespräch mit dem 'Tagesspiegel' die aktuelle Linie von CDU-Leiter Friedrich Merz scharf kommentiert: Indem Merz zentrale Botschaften der AfD aufgreife, fördere er indirekt deren Normalisierung und öffne ihnen letztlich die Tür zu mehr Wählerzuspruch. Drei Dinge stehen für Mudde dabei im Raum – erstens, dass Merz die Erzählungen der AfD bestätigt; zweitens, dass er deren Themen prominent macht; und drittens, dass Wähler weniger Barrieren empfinden, ihr Kreuz bei der AfD zu setzen, da deren Positionen als salonfähig erscheinen. Mit der sogenannten Brandmauer-Strategie allein sei es nicht getan, denn solange keine tiefergehende Lösung für das verloren gegangene Vertrauen in die Demokratie gefunden werde, blieben populistische Kräfte ein Symptom anhaltender gesellschaftlicher Unzufriedenheit. Ein Punkt, den Mudde hervorhebt: Ausgrenzung von rechts außen allein lasse die Ursachen für den Zulauf ins Leere laufen. Auch der Vorstoß des Ex-SPD-Ministerpräsidenten Torsten Albig, weniger dogmatisch auf eine Kooperationsfrage mit der AfD zu schauen, wird von Mudde als differenzierungsbedürftig gesehen – demokratische Parteien müssten sorgfältig abwägen, zu welchen Bedingungen und in welchem Rahmen sie auf rechte Kräfte reagieren, wobei die Prinzipien der liberalen Demokratie gewahrt bleiben müssten. Es bleibt ein Thema voller Grauzonen, in dem einfache Antworten alles schwieriger machen.
Der Politologe Cas Mudde kritisiert die Strategie von CDU-Chef Friedrich Merz, AfD-Themen aufzugreifen, und warnt vor einer schleichenden Akzeptanz rechtspopulistischer Positionen im politischen Mainstream. Seiner Meinung nach reicht die symbolische Brandmauer nicht aus, solange Politik und Gesellschaft nicht grundsätzlich auf die Ursachen von Demokratiefrust eingehen. In aktuellen Debatten – etwa über Migrationspolitik, Integration oder Sicherheit – setzen immer mehr Parteien auf harte Töne, was nach Einschätzung zahlreicher Experten die AfD weiter stärkt, anstatt sie wirksam abzugrenzen. In jüngsten Umfragen steigt der Zuspruch für die AfD, auch weil viele Menschen sich von traditionellen Parteien nicht mehr vertreten fühlen. Der Diskurs über Zusammenarbeit oder klare Abgrenzung zieht sich derzeit durch fast alle Leitmedien – oft mit widerstreitenden Empfehlungen und auffälligen Regionalunterschieden.