Vor über sechzig Jahren, um genau zu sein 1964, erblickte der Prix Jeunesse International als Gemeinschaftsidee des Bayerischen Rundfunks und Münchens das Licht der Welt. Heute gilt das Festival weltweit als Maßstab für herausragendes Kinder- und Jugendprogramm im Fernsehen, eine Art internationales Klassentreffen, bei dem nicht nur Preise, sondern oft auch neue Freundschaften entstehen – und gelegentlich wird mitten in der Diskussion über Fernsehinhalte herzhaft gestritten, als hinge die Zukunft der Welt davon ab. In diesem Jahr, bei der nun 32. Ausgabe, wurden aus 52 verschiedenen Ländern 375 reguläre Produktionen eingereicht, dazu 65 für das Shorts-Format – die Bandbreite, erstaunlich! So wurde das Publikum Zeuge von Sendungen über das Ausloten von Geschlechtsidentitäten, über familiäre Brüche, Gewalt, aber auch über das Wunder der Freundschaft oder das gemeinsame Wachsen.
Was den Prix Jeunesse besonders macht: Hier sind nicht einige wenige, abgeschottete Juror*innen im Hinterzimmer am Werk. Nein, die internationalen Festivalgäste stimmen gemeinsam ab. Demokratischer geht es kaum. Am Ende der Woche, die mehr nach kreativer Werkstatt als steifer Gala schmeckt, steigen dann die Glücklichen aufs Treppchen.
Deutschland war dieses Jahr doppelt erfolgreich: Zum einen gewann "Die Sendung mit dem Elefanten" (ARD/WDR) mit der Folge "Wo stecken Gefühle?" in der Kategorie Non-Fiktion bis 6 Jahre. Hier erzählen und erforschen Kinder im kleinen Kreis ihre Emotionen und wie man damit umgeht. Auch "Lenas Hof", eine gar nicht mal so typische Animationsserie des Studio FILM BILDER fürs ZDF, wurde in der fiktionalen Kategorie für Kinder bis 6 Jahre ausgezeichnet – tierische Geschichten, die klug und leise das Miteinander beleuchten.
Beachtlich ist der „Run“ aus Taiwan: Gleich fünf Preise gingen dorthin, unter anderem für "Where we sit together" (Hauptpreis Fiktion 7–10 Jahre), das mit viel Feingefühl den Begriff Familie neu auslotet. Ebenfalls getroffen hat die Herzen die Doku "Call Me Wild Child" – ein Abenteuer abseits jeglicher Bildschirme, ausgezeichnet durch die deutsche Kinderjury. Der Gender-Equity-Preis wiederum wurde dem Drama "The Brave Swing" verliehen, das kindgerecht das ernste Thema Missbrauch und Schweigen in Familien thematisiert – eine tief berührende, dringend nötige Perspektive. Es ist, als würde die Welt mithilfe von Geschichten, die Kindern Mut machen, ein wenig solidarischer werden.
Überhaupt – Interkulturalität und Diversität, das sind wohl die unsichtbaren Fäden, die sich durch alle prämierten Projekte zogen: aus Japan, den Niederlanden, Brasilien, Frankreich und vielen weiteren Ländern. Das alles zeigt: Kinderfernsehen ist längst nicht mehr „nur bunt“ – sondern Spiegel der globalen Gesellschaft, mit ihren Wunden und Hoffnungen. Übrigens, die komplette Preisträgerliste und weitere Infos gibt es beim Veranstalter.
P.S.: Es bleibt eigenartig befriedigend, dass nicht immer nur Flachwitze oder simple Animationen ausgezeichnet werden, sondern oft Programme, die Kinder und Eltern zum Nach- und Weiterdenken anregen.
Der Prix Jeunesse International hat sich über Jahrzehnte zur essenziellen Plattform für qualitativ hochwertiges Kinder- und Jugendfernsehen entwickelt: 2026 standen Themen wie Diversität, Genderidentität und gesellschaftlicher Zusammenhalt im Mittelpunkt der ausgezeichneten Produktionen. Deutschland und Taiwan waren besonders erfolgreich, wobei sendungen wie "Die Sendung mit dem Elefanten" und "Where we sit together" für ihre feinfühlige Auseinandersetzung mit Gefühlen und Familienstrukturen hervorstachen. Neu aufgefallene Diskussionen um Repräsentation, gesellschaftliche Teilhabe und den Mut zur thematischen Tiefe im Kinderfernsehen zeigen, wie wichtig diese Formate im internationalen Austausch sind. Aus aktuellen Medien lässt sich ergänzen, dass das Festival sich verstärkt mit KI-generierten Inhalten, der Rolle von Social Media in der Jugend und dem Einfluss von Streamingdiensten befasst. Laut taz rückte die Jury-Kultur dieses Jahr mehr denn je den Dialog in den Mittelpunkt – es gab sogar Workshops zu konstruktivem Streit, wie Kinder-Formate noch inklusiver gestaltet werden können (Quelle: taz). In der Süddeutschen wurde hervorgehoben, dass viele Beiträge gesellschaftliche Tabus ansprechen und Kinder gezielt zum Mitreden animieren (Quelle: Süddeutsche). Der SPIEGEL schließlich betonte, dass das Festival ein globaler Seismograf für die größten Herausforderungen und Sehnsüchte junger Menschen bleibt, z.B. bei Migrations- oder Klimathemen, aber auch bei ganz persönlichen Fragen nach Identität und Zugehörigkeit (Quelle: SPIEGEL).