Wenn man ehrlich ist – so ganz überrascht war ich persönlich nicht über Alice Schwarzers Haltung. ‚Alt-Herren-Benehmen‘ von konservativen Politikern sei kein Skandal, so Schwarzer in der 'Neuen Osnabrücker Zeitung', sondern bestenfalls ein müdes Achselzucken wert. Die eigentliche Debatte über Hagels angeblichen Blick auf Schülerinnen erscheint ihr sogar als inszeniertes Wahlkampfgetöse, keinesfalls als echter Einsatz für die Gleichberechtigung. Die nüchtern-kritischen Töne nimmt Schwarzer allerdings, sobald sie auf den Fall Pelicot zu sprechen kommt: Sie ist entsetzt darüber, wie viele augenscheinlich normale Männer sich an diesen Verbrechen beteiligt haben. Interessanter Punkt: Schwarzer sieht dabei auch Frauen in der Pflicht – sie müssten lernen, genauer hinzuschauen, statt wegzusehen. Bemerkenswert bleibt ihre Feststellung, dass keine einzige der 50 Ehefrauen mutmaßlicher Täter bereit war, Hinweise auf eine mögliche eigene Betäubung durch K.o.-Tropfen prüfen zu lassen.
Beim Thema Justiz wird Schwarzer ziemlich deutlich: Ihrer Meinung nach führe nur einer von hundert Fällen von Vergewaltigung tatsächlich zu einer Verurteilung. Etwas resigniert, aber auch kämpferisch, setzt sie Hoffnung in Initiativen der Justizministerin gegen K.o.-Tropfenhandel. Zum Thema Gendern merkt Schwarzer an, es sei ursprünglich von klugen Sprachwissenschaftlerinnen eingeführt worden, doch die aktuelle Entwicklung – Sternchen, Unterstriche und Doppelpunkte – kritisiert sie als unpraktisch und letztlich absurd. Kurz gesagt: Für wirklichen Wandel, meint Schwarzer, sollten Frauen Bündnisse mit den Männern suchen, die offen für echte Veränderung sind – mit dem Drittel, das sich bereits zum Feminismus bekennt, auch wenn oft nur in der Theorie. Klingt etwas pragmatisch – aber vielleicht ist es eben genau dieser Realismus, der für manchen Streit sorgte, Schwarzer aber auch so einzigartig macht.
Alice Schwarzer, eine der prägenden Persönlichkeiten des deutschen Feminismus, hält die Sexismusvorwürfe gegen den CDU-Politiker Manuel Hagel für unerheblich und wertet sie als Wahlkampf-Trick. Stattdessen prangert sie gesellschaftliche Blindstellen bei sexualisierter Gewalt an, speziell im Fall Pelicot und mahnt, dass Frauen selbst mehr Verantwortung im Hinschauen übernehmen sollten – da auch mangelnde Solidarität und Verdrängung zum Problem beitrügen. Über die mangelhaften Strafverfolgungsquoten bei Vergewaltigung in Deutschland zeigt sich Schwarzer deutlich frustriert, sieht aber auch Hoffnung in neuen Initiativen auf politischer Ebene. Ihr kritischer Blick auf moderne Gendersprache sieht sie als Übertreibung ursprünglicher feministischer Impulse. Zudem bekräftigt sie, dass Veränderung Kooperation und Konzentration auf jene Männer verlangt, die offen für einen gesellschaftlichen Wandel sind.
Aktuelle Ergänzungen: In den letzten Tagen wurde in mehreren überregionalen Medien erneut der geringe Anteil aufgeklärter und verurteilter sexualisierter Gewaltfälle thematisiert; Justizministerin Hubig stellte dazu jüngste Gesetzesinitiativen vor. Zudem diskutieren sowohl feministische als auch konservative Kreise weiter, ob Gendern Sprachbewusstsein schärft oder Spaltung erzeugt – die Debatte bleibt lebendig. Gegenüber der Einordnung vermeintlich 'kleiner' Sexismusvorwürfe ziehen viele Kommentatoren eine Linie zur generellen Überlastung gesellschaftlicher Debatten durch Symbolpolitik und mangelnden Fokus auf echte Problemlagen.