Diesmal trifft es vor allem Bayern, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. In Hessen und im Saarland hingegen wurden die angekündigten Arbeitsniederlegungen in letzter Minute wieder abgesagt. Für zahlreiche Menschen bedeutet das: Busse, Trams und U-Bahnen bleiben stehen oder fahren nur nach Notfahrplan, wie etwa in Halle (Saale). Die Regionalzüge und S-Bahnen der Deutschen Bahn rollen jedoch weitgehend unbeeindruckt weiter. Während Verdi bundesweit um bessere Arbeitsbedingungen für die ungefähr 100.000 Beschäftigten von rund 150 Nahverkehrsunternehmen ringt, verschärft sich der Ton. Einige Streiks könnten sich sogar über mehrere Tage ziehen.
Die Liste der Forderungen ist lang und in jedem Bundesland ein wenig anders. Verkürzte Arbeitszeiten stehen ebenso auf dem Zettel wie mehr Lohn für Schichten an Wochenenden und in der Nacht. Verdi begründet das unter anderem mit einer extremen Belastung der Fahrer – Stichwort Personalmangel und hohe Krankenstände. Die Folge: Viele Kollegen wechseln den Job, Nachwuchs bleibt aus. Christine Behle von Verdi hielt den Druck aufrecht und pochte auf den Zusammenhang mit größerer Unterfinanzierung des gesamten ÖPNV-Sektors. Es brauche eine koordinierte, breite Streikfront, damit die Politik überhaupt reagiere.
Was die Gewerkschafterin noch betont: Die große Mehrheit der Forderungen zielt diesmal auf sogenannte Entlastungsthemen. Also weniger Schichten, mehr Pausen, bessere Planbarkeit – und nicht nur auf mehr Geld. Der Stress in den Betrieben ist offenbar immens. Nicht zu vergessen das Imageproblem: Gerade jüngere Leute fühlen sich offenbar wenig vom Nahverkehrsjob angezogen. Und auch an der aktuellen Kritik am Streik hat Verdi wenig Interesse: Das Recht zu streiken sei schließlich im Grundgesetz verankert, sagt Behle. Ein Tag Stillstand mag schmerzen – aber das große Ganze sei wichtiger, als ein einzelner verpasster Flug.
Die jüngsten Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr werfen erneut ein Schlaglicht auf die angespannte Lage in den Betrieben – massiv belastete Beschäftigte, hoher Krankenstand und unklare Zukunftsperspektiven bestimmen das Bild, wie aktuelle Berichte der letzten Stunden zeigen. Neue Details aus der Presse legen nahe, dass das Thema Fachkräftemangel inzwischen fast genauso zentral ist wie die klassischen Tarif-Forderungen. Bundesweit sorgen die Arbeitskämpfe für Diskussionen über Sinn und Grenzen des Streikrechts und die Zukunftsfähigkeit des ÖPNV, wobei sich teils die Stimmung gegenüber Streikenden verhärtet; die laufenden Verhandlungen bleiben zäh – und das Thema dürfte uns wohl noch eine Weile begleiten.