Schweitzer bringt es auf den Punkt: Damit die SPD in einer sich rasant verändernden Welt nicht abgehängt wird, braucht es eine ehrliche Inventur der eigenen Programmatik. Politische Konzepte, an denen aus Nostalgie festgehalten wird, schrecken niemanden mehr vom Hocker – Zumindest nicht die jungen Generationen, die neue Antworten auf neue Fragen erwarten. Seine Position markiert eine Zwischenstation im größeren Diskurs um die Neujustierung der SPD, der derzeit auch durch die Stimmen von Olaf Scholz und Saskia Esken, wie aktuelle Medienberichte zeigen, befeuert wird. In den letzten Tagen war diese Debatte prominenter denn je: So berichten die Süddeutsche und andere große Medienhäuser davon, wie die SPD vor ihrem Parteitag über die Erneuerung ihrer Programmatik ringt – nicht nur in Sachen Gesundheit, sondern auch bei Themen wie bezahlbarer Wohnraum und Sozialstaat. Besonders auffällig: Verschiedene Vertreter äußern dabei Zweifel, ob beispielsweise die Bürgerversicherung noch als zukunftsfähiges Kernthema taugt. Im Hintergrund steht die Frage, wie viel Tradition man sich leisten kann, ohne sich selbst aus den Debatten der nächsten Jahrzehnte herauszukatapultieren.