Manchmal stolpern Unternehmen über neue Chancen, die fast zu schön klingen, um wahr zu sein. So sieht es offenbar auch Infineon – Vorstandschef Jochen Hanebeck sprach gegenüber dem "Handelsblatt" darüber, dass humanoide Roboter für sein Unternehmen ein ähnlich vielversprechendes Wachstumsthema werden könnten wie einst Leistungshalbleiter für KI-Rechenzentren. Erstaunlich dabei: Infineon besitzt laut eigener Aussage bereits die meisten nötigen Komponenten, sodass keine große Neukonzeption fällig wäre. Viele der heute für autonomes Fahren produzierten Chips könnten einfach umfunktioniert werden – mit anderen Worten: ein bisschen wie Bausteine, die man einfach anders zusammensetzt. Solche Aussichten könnten, ehrlich gesagt, auch die Nerven von Investoren etwas beruhigen, nachdem Margendruck und Konkurrenz den Hardware-Herstellern weltweit ordentlich zugesetzt haben. Der schon vollzogene Boom bei KI-Stromversorgungs-Chips zeigt, dass Infineon durchaus weiß, wie man neue Erlösquellen erschließt. Aber – das bleibt ein kleines Aber – Hanebeck ließ offen, wie schnell und mit welchem konkreten Plan der Milliardenmarkt für Roboter wirklich abheben wird. Bislang bleibt es noch eine Hoffnung mit vielen Unbekannten.
Infineon erblickt im Feld humanoider Roboter eine ähnliche Chance wie einst im Bereich KI-Leistungshalbleiter. Vorstandschef Hanebeck betont, dass der Konzern mit seinem bestehenden Produktportfolio bereits gut gerüstet sei, da viele Komponenten aus anderen Branchen – etwa dem Automobilsektor – wiederverwendet werden können. Allerdings dämpft die Unsicherheit über die Geschwindigkeit der Marktentwicklung die Euphorie noch ein wenig, da bislang kein präziser Zeitrahmen für den erwarteten Umsatzschub genannt wird.
Andere Branchenexperten wie Analysten der DZ Bank ordnen das Thema als potenziell richtungsweisend ein, mahnen aber, dass politische Vorgaben, Datenschutzfragen und gesellschaftliche Akzeptanz entscheidend für die Marktannahme der neuen Robotertechnik werden könnten. In der Industrie werden humanoide Roboter aktuell z. B. für Wartung, Logistik und Serviceanwendungen getestet; einige Pilotprojekte laufen bereits in asiatischen Technologiezentren. Marktbeobachter rechnen vorsichtig optimistisch mit einer wachsenden Integration in den Alltag bis 2030, sofern die technologischen und regulatorischen Hürden zeitnah adressiert werden.