Sichere Rückzugsorte für Frauen auf dem Land – Zwischen Forderung und Realität

Berlin – Beim Zukunftsforum rangen Expertinnen darum, wie antifeministische Übergriffe insbesondere Frauen in ländlichen Gebieten bedrängen – und weshalb verlässliche Unterstützung, Schutz und echte Freiräume nötiger denn je sind.

heute 19:20 Uhr | 4 mal gelesen

Manchmal kommt es mir fast vor wie das sprichwörtliche Pfeifen im Walde: Während antifeministische Angriffe überall im Land zunehmen – im Durchschnitt mehr als zehn dokumentierte Fälle pro Woche, von anonym-maskierten Hasskommentaren bis hin zu offen aggressiven Attacken – bleibt vielerorts die Frage im Raum stehen: Wer sorgt eigentlich dafür, dass Frauen überhaupt noch den Mut aufbringen, sich zu engagieren? Klar, im Netz schwappt die toxische Welle oft besonders heftig, aber es sind gerade auf dem Land die zurückgezogenen, abgeschiedenen Ecken, wo Rückhalt fehlt und Schutzräume rar sind. Beim 19. Zukunftsforum Ländliche Entwicklung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat präsentierten deshalb die Bundesstiftung Gleichstellung, die BAG der Gleichstellungsstellen und der LandFrauenverband eine brisante Debatte: Wie können Gemeinden, Politik und Zivilgesellschaft gemeinsam Räume sichern, in denen Frauen nicht nur engagiert, sondern auch sicher auftreten können? Sabine Herberth von der Amadeu Antonio Stiftung brachte es auf den Punkt – Antifeminismus ist kein reines Randproblem, sondern sickert tief ins demokratische Miteinander. Nicht bloß Kritik an einzelnen Positionen, sondern eine Strategie, um Gleichstellung und Selbstbestimmung systematisch zu diskreditieren. Professorin Brigitte Wotha erinnerte an die „Möglichkeitsräume“, die es so schon gibt – Kooperation, Netzwerke, flexible Nutzung, kurze Wege. Aber – und das bleibt eben der Knackpunkt – alles steht und fällt mit echter Substanz: nachhaltige Finanzierung, klare politische Verantwortung und ein Bewusstsein dafür, dass Gleichstellung keine hübsche Randnotiz, sondern Pflichtaufgabe für Verwaltung und Planung ist. Auf dem Podium saßen Frauen, die sich tagtäglich für Vielfalt, geschlechtersensible Bildung und echte Willkommensorte einsetzen. Die Stimmung? Energisch, aber auch nachdenklich. Klar: Ohne nachhaltige Strukturen und verlässliche Unterstützung riskieren wir, dass aus zart keimendem Engagement bloß Stille bleibt. Für die, die tiefer einsteigen möchten: Die Aufzeichnung des Forums wird demnächst online abrufbar sein.

Die Diskussion rund um sichere Orte für Frauen und die Bedeutung ihrer Beteiligung – insbesondere in ländlichen Regionen – ist so aktuell wie selten. Leider sind steigende Vorfälle antifeministischer Gewalt dabei oft ein lähmender Faktor, statt eines Weckrufs. Die Veranstaltung auf dem Zukunftsforum machte deutlich, dass Schutz, nachhaltige Förderungen und das Fördern neuer Kooperationsmöglichkeiten dringend notwendig wären, um weibliches Engagement nicht zu verzetteln, sondern zu bündeln und sichtbar zu machen. Neben struktureller Absicherung fordert der LandFrauenverband gezielte Unterstützung für Netzwerke und Anlaufstellen speziell im ländlichen Raum (Quelle: FAZ). Zugleich bleibt festzuhalten: Antifeminismus wird oft gezielt als Mobilisierungsstrategie benutzt – nicht nur gegenüber Einzelpersonen, sondern zur Schwächung demokratischer, gleichberechtigter Prozesse insgesamt (Quelle: Die Zeit). Expertinnen betonen, dass eine flexible, multifunktionale Regionalplanung, die unterschiedliche Lebenswirklichkeiten anerkennt, die gesellschaftliche Teilhabe aller auf dem Land stärkt. Aus Medienrecherchen der letzten 48 Stunden ergeben sich keine Gegentrends, im Gegenteil: Mehrere Frauen- und Gleichstellungsorganisationen fordern derzeit verstärkt gesetzliche Quoten und gesicherte Finanzen für Frauenhäuser, auch weil in vielen ländlichen Kreisen akute Versorgungslücken bestehen (Quelle: Süddeutsche Zeitung).

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