Siemens-Chef Roland Busch hat eine klare Ansage gemacht: Siemens will (und, ja, musst auch ein Stück weit) in Zukunft pro Jahr um mehr als zehn Prozent wachsen – jedenfalls, wenn alles nach Plan läuft. Aktuell, so Busch im Gespräch mit dem 'Handelsblatt', spielt das globale Wirtschaftsklima dem Dax-Konzern kaum in die Karten. Trotzdem sieht er genügend Möglichkeiten, nicht nur Ausreißerjahre, sondern gleich ganze mehrjährige Wachstumsperioden mit diesen hohen Zahlen hinzulegen.
Erst vor wenigen Tagen bekamen die Arbeitnehmervertreter im Wirtschaftsausschuss die ersten konkreten Schritte der neuen „One Tech Company“-Strategie präsentiert. Dabei bleibt anscheinend kein Stein auf dem anderen: Der Vertrieb müsse schlanker, schneller, zielgerichteter werden, wie Busch sagt. Manches klingt fast wie aus einem klassischen Beraterhandbuch – weniger Zwischenhändler, mehr direkter Kontakt mit Kunden, mehr digitale Unterstützung. Im Technologiebereich wiederum will Siemens alte Zöpfe abschneiden und Innovation weniger bürokratisch organisieren.
Interessant: Noch im November hatten Börsen und Investoren angedeutet, dass sie einen anderen Kurs von Siemens erwartet hatten. Zu vorsichtig, zu wenig aggressiv fanden sie die Ankündigung damals. Offenbar ist das Management aber lernfähig: „Wir haben die Wachstumshoffnungen angehoben, die Ertragsziele aber erst mal außen vor gelassen“, so Busch. Jetzt aber sollen alle Stellschrauben zur Profitsteigerung nachgezogen werden – und die Märkte vermutlich milder stimmen.
Siemens will unter der Führung von Roland Busch die eigene Organisation umstrukturieren und mit der ‚One Tech Company‘-Strategie das Wachstum ankurbeln. Geplant sind unter anderem eine deutlich effizientere Ausrichtung des Vertriebs, verstärkter direkter Austausch zwischen Fachkräften und Kunden sowie eine gezieltere Nutzung digitaler Tools. Nachdem die Börse zunächst skeptisch auf die neue Strategie reagiert hatte, versucht Busch nun mit Nachbesserungen ein nachhaltiges, zweistelliges Wachstum auch über längere Perioden und verbesserte Profitabilität zu erzielen.
Aktuell berichtet etwa die FAZ, dass Konjunkturflaute und geopolitische Unsicherheiten zwar Risiken bergen, Siemens jedoch durch starke digitale Angebote insbesondere in Bereich der Industrieautomatisierung und E-Mobilität Chancen sieht. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung könnten zudem schlanke Unternehmensstrukturen ein Vorbild für andere deutsche Industriekonzerne werden, die ebenfalls mit globalen Herausforderungen kämpfen. Hinzu kommt laut TAZ, dass Siemens verstärkt auf grüne Technologien setzt, um so auch im internationalen Wettbewerb die Nase vorn zu behalten.