Bayerns Ministerpräsident Söder stellte am Wochenende auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart fest, dass Merz Europa so etwas wie neues Selbstbewusstsein verschaffe. In Zeiten, die er als unsicher und wankelmütig beschrieb, wünscht sich Söder für Deutschland eine verlässliche Orientierung – "einen Kompass", wie er es nannte. Er ließ dabei kein gutes Haar an der außenpolitischen Linie der Ampelkoalition, die ihm zu belehrend vorkam. Außerdem verpasste Söder der politischen Linken eine Breitseite: Ihr US-Skepsis sei Doppelmoral, jetzt über Zölle zu schimpfen, wo sie früher TTIP torpedierten, passe nicht zusammen. Ohnehin sei die Einigkeit der CDU/CSU derzeit laut Söder vorbildlich – was ihn zu einer scharfen Abrechnung mit den aktuellen Regierungen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg brachte. Aus seiner Sicht sollten dort lieber wieder konservative Parteien regieren – Zitat: "Die normale Ordnung der Dinge." Ganz nüchtern, aber auch mit deutlicher Ironie.
Söders Rede auf dem CDU-Parteitag stand exemplarisch für den aktuellen Kurs der Union: Die Partei sucht Geschlossenheit nach innen und provoziert nach außen, insbesondere gegen die Ampel. Während Söder Merz als Antwort auf einen möglichen Wahlsieg Trumps stilisiert, bleibt unklar, welche konkreten diplomatischen Strategien er vorschlägt. Vergleicht man aktuelle Berichterstattung, werden Meinungen in Medien teils kritisch, teils zugespitzt bewertet; es bleibt ein Bild der Union, die sich als Gegenentwurf zur Ampel präsentiert und die Debatte um Europas Rolle zwischen Autonomie und transatlantischer Abhängigkeit wieder befeuert. Aus jüngeren Quellen erfährt man zudem, dass die CDU/CSU sich angesichts internationaler Unsicherheiten offensive Positionen auch in der Wirtschaftspolitik auf die Fahnen schreibt und mit dem klaren Fokus auf Wahlkämpfe in den Ländern antritt.